für Schüler und Eltern

Mentaltraining: Sprachenlernen beginnt im Kopf

Marcel Hirscher räumt eine Medaille nach der anderen ab. Immer, wenn es drauf ankommt, ist er zu 100% konzentriert. Ist das ein Zufall? Auf jeden Fall zeugt es von enormer mentaler Stärke. Mentales Training findet seinen Weg in Sport und Wirtschaft und zunehmend auch im privaten Alltag.

„Was du denkst, das bist du.“ Buddha

Mit Mentaltraining zu besseren Resultaten

Sportler trainieren mentale Stärke als Ergänzung zu Kondition und Technik. Ziel des Trainings ist die Konzentration und die Fähigkeit, sich im gefragten Moment ganz und gar auf sich selbst und das Ziel zu konzentrieren. So kann im entscheidenden Moment die optimale Leistung abgeliefert werden. Außerdem unterstützt  Mentaltraining auch dabei, sich nach schlechten Resultaten schnell wieder neu zu motivieren.

Auch ich habe früh Erfahrungen mit Mentaltraining gemacht. Meine japanische Klavierlehrerin hat mir ab dem 5. Lebensjahr nicht nur Musikstücke als Übung mit nachhause gegeben, sondern auch mentales Üben. Jede Zugfahrt zur Schule sollte ich meine Klaviernoten mitnehmen und mir die Stücke mental vorstellen – nicht nur die Töne und Melodien, sondern auch die Atmosphäre eines Konzertes, den Applaus und die Verbeugung. Auch unmittelbar vor einem Auftritt sollte ich alle Bilder, Gefühle und Fingerbewegungen nochmal durchspielen. Ich bin mir sicher, dieses Mentaltraining hat mir geholfen. Ohne mir zumindest die erste Zeile eines Stückes vor dem Klavierspielen vorzustellen, kann ich meine Hände heute noch nicht auf die Tastatur legen. Die reine Vorstellung hilft mir dabei, mich in den passenden emotionalen Zustand zu begeben und vom ersten Ton an hochkonzentriert zu sein.

Ein bekanntes Beispiel für den Einfluss der Gedanken ist der Placebo-Effekt. Er beweist nicht nur, dass verabreichte Placebo-Medizin wirkt, sondern dass Medizin umso besser wirkt, je höher der Patient etwa vom behandelnden Arzt oder der Klinik denkt.

 

Stellen Sie sich vor, sie beißen in eine saure Zitrone…

Vorstellung ist für unser Gehirn real. Allein die Imagination in eine saure Zitrone zu beißen führt bei den meisten Menschen zu einer Veränderung der Mimik und zu Speichelfluss. Genau da setzt die Arbeit mit inneren Vorstellungen an.

Aus Studien weiß man, dass mentale Techniken wie das reine Vorstellen (Visualisieren) von Bewegungen auch plastische Veränderungen im Gehirn auslöst und auch ohne zusätzliches körperliches Training zum Aufbau von Muskeln führen kann. Das ist möglich, weil beim Visualisieren im Gehirn die gleichen neuronalen Netzwerke und ähnliche motorische Areale aktiviert werden wie bei der tatsächlichen Ausführung (u.a. Gentili R. et al., 2010, Journal of Neurophysiology).

 

Sprachenlernen: Mentaltraining für Schüler und Lernende – 4 Tipps

Fühlen Sie sich oft lustlos? Erleben Sie bei Prüfungen immer wieder Blackouts? Macht Sie der bloße Gedanke an die nächste Prüfung fürchterlich nervös? Zahlreiche Kinder und Jugendliche erleben in Familie, Kindergarten, Schule oder im sozialen Umfeld Stress, Ängste und innere Blockaden. Diese können zu Schul- und Verhaltensproblemen führen. Mit Hilfe von Mentaltraining schwinden Ängste, das Selbstvertrauen und die Konzentration steigen und Sie erreichen (beinahe) mühelos Ihre Ziele. Hier einige Tricks, die das Sprachenlernen erleichtern:

1. „Ich möchte… bis…. weil….“

Noch bevor Sie zu lernen beginnen, sollten Sie sich drei Gründe überlegen, warum Sie das überhaupt tun wollen. Wichtig dabei ist, diese positiv zu formulieren, zum Beispiel: „Ich will beruflich erfolgreich sein, in etwa einem Jahr aufsteigen. Dafür muss ich besser Englisch sprechen können“ oder „ Ich will mein Französisch wiederholen, um mich in einem halben Jahr bei einer Reise nach Paris fließend unterhalten zu können“. Ihre Ziele klar (und messbar) vor Augen zu haben, motiviert Sie und stimmt Sie positiv auf die vor Ihnen liegende Lerneinheit ein. Weinberg & Gould (2007) berichten, dass in 90% der Studien die Wirksamkeit von regelmäßigem Zielsetzungstraining für eine Leistungssteigerung nachgewiesen wurde.

2. Einstimmung mit ‚Hintergrundhören’

„Das Lernen sollte immer mit einer rezeptiven Phase beginnen“, so Barbara Hinger, Leiterin des Instituts für Fachdidaktik an der Universität Innsbruck. Das heißt, man dreht einen fremdsprachigen Radiosender auf und lässt sich berieseln, hört sich Musik oder sieht sich Filme in der besagten Sprache an. Dieses Hören kann auch im Hintergrund geschehen, während Sie anderen Aktivitäten oder Ihrer Arbeit nachgehen. „Der Schlüssel ist, durch Nachahmung zu lernen wie ein kleines Kind“. Selbst wenn Sie die Sprache noch nicht verstehen, oder nur einige wenige Wörter, so gewöhnt sich Ihr Gehirn dennoch an die Klangmelodie. Das Unterbewusstsein beginnt, die Sprache zu verarbeiten und neue Nervenbahnen anzulegen. Um der Sprache auch einen Sinn zu geben, übersetzt man den gehörten Text – am besten Wort-für-Wort nach der gehirn-gerechten Birkenbihl-Methode. Wichtig: Lernen Sie immer in ganzen Sätzen. Das unterstützt nicht nur die Vernetzung (Wie wird das Wort angewendet?), sondern kann auch vor mancher Sprach-Stolperfalle bewahren (wie Mehrfachbedeutungen).

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3. Im Chor mitsprechen – laut oder leise

Hören Sie einen bekannten Text an und sprechen Sie mit den Sprechern „im Chor“ mit. Dadurch festigen Sie das Wissen um die Wortbedeutung und Grammatik oder verfeinern Ihre Aussprache. Der Effekt: Dinge, die Sie gut üben, können Sie anschließend sicherer und souveräner ausführen, d.h. das Sprechen fällt Ihnen nach dieser Übung leichter. Diese Übung funktioniert auch, wenn Sie das Sprechen mental üben, also nur in Gedanken aussprechen. Nutzen Sie dazu auch Gefühle und Bilder zur Lenkung. Versetzen Sie sich in den Sprecher, sehen Sie die Bilder der Geschichte vor sich.

4. Kurze Lerneinheiten von 10 Minuten

Unser Kurzzeitgedächtnis kann in der Regel nicht mehr als fünf bis neun Infoeinheiten aufnehmen. Das bedeutet, dass Sie in kürzeren Lerneinheiten üben sollten. Sie übersetzen zum Beispiel 4 Sätze Wort-für-Wort und machen danach 10 Minuten etwas anderes, wie Sport oder Hintergrundhören (siehe Tipp 2). Dann wieder ein paar Sätze übersetzen, und so weiter. Dadurch haben Sie immer 100% Konzentration und profitieren zudem von den natürlichen Arbeitsweisen des Gehirns. Dieses verarbeitet Informationen nämlich ca. 10 Minuten weiter, obwohl Sie sich schon auf ganz andere Dinge zu konzentrieren. Damit verdoppeln Sie also Ihren Lernerfolg! Mehr zur 10-Minuten-Lerntechnik erfahren Sie hier.

Dabei sollte man bedenken, dass innerhalb der ersten Stunde bis zu 50 Prozent des eben Erlernten verlorengehen. Im Idealfall wiederholt man Informationen mindestens drei Mal (mehr dazu hier: Mindestens 3 mal wiederholen, sonst vergessen Sie’s

 

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Content Managerin und Bloggerin Katharina Rucker beschäftigt sich seit 2011 intensiv mit der Birkenbihl-Methode sowie den Kreativtechniken und Denktools von Vera F. Birkenbihl. Seit 2014 arbeitet sie als selbstständige Online & Performance Marketerin: www.rucker-marketing.at

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