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Mit Filmen lernen – deshalb geht es rasend schnell

Sie sind allgegenwärtig, leicht zu beziehen und Alltag für Jugendliche. Videos werden von LehrerInnen und TrainerInnen im Sprachunterricht gerne verwendet. Youtube, ViewPoint und andere Video-Plattformen machen es den Lehrkörpern einfach, passende und authentische Videos zu finden und zu nutzen. Viele Videos zielen sogar darauf ab, als Lernvideo im Sprachunterricht eingesetzt zu werden.

Hier zwei Beispiele:

Beispiel 1: Gringo erklärt auf lustige Weise den Unterschied zwischen 3 spanischen Verben, welche sehr gerne verwechselt werden. Es ist ein lustiges Video um sich die Verwendung von „ser“, „estar“ und „ir“ einzuprägen. Doch ist das Pauken von Grammatik, wie es in diesem Video gemacht wird, wirklich nötig? Auf diese Frage kommen wir später nochmal zurück.

Spanisch lernen video

https://youtu.be/vrwROaFslII

Beispiel 2: Bei diesem Video wird ein Song zum Spanischlernen verwendet. Der Text des Liedes ist zeitgleich mit der Musik am Bildschirm zu sehen. Zusätzlich wird die Bedeutung des Textes mit Bildern unterstützt.

Spanisch lernen video

https://youtu.be/fGsQaqViiwU

Filme und Videos die ursprünglich nicht zum Sprachenlernen gedacht waren, werden immer öfter in den Unterricht eingebunden, denn Videos in fremden Sprachen sind eine gute Möglichkeit um Native Speakers zu hören und demnach die korrekte Aussprache[1]. Danan (2004)[2] behauptet, dass ein Untertitel in der Sprache des Videos den Lerneffekt zusätzlich verstärkt. Das, was man hört, wird mit dem Untertitel visualisiert und erleichtert somit das Merken. Vor allem für Lernende, die einen Teil aber nicht alles verstehen, empfiehlt Danan das Lernen mit Videos und Untertiteln.

Winke, Gass und Sydorenko[3] der Michigan State University wollten es genau wissen und führten eine Studie zu diesem Thema durch. Insgesamt 150 Arabisch, Chinesisch, Spanisch und Russisch-StudentInnen sahen sich jeweils 3 Kurzfilme in der Fremdsprache an – mit oder ohne Untertiteln in der Sprache des Videos. Danach machten Sie Vokabel- und Verständnistests. Die Studie ergab, dass das Sehen von Videos mit Untertiteln den Lernerfolg verbessert. Mit Untertiteln haben sich die StudentInnen im Vergleich zu ohne Untertitel die Bedeutung der Wörter leichter gemerkt und die Wörter im Nachhinein selbst besser ausgesprochen. Warum ist das so?

Die Studie hat tiefer gegraben und folgendes herausgefunden:

  • StudentInnen sind aufmerksamer wenn Sie Filme mit Untertiteln in der Fremdsprache sehen
  • StudentInnen haben sich die Bedeutung der Wörter eher gemerkt
  • StudentInnen können bereits Bekanntes schneller abrufen (z.B. bekannte Wörter)
  • StudentInnen können die Sprache besser analysieren und sich so die Grammatik besser merken (das menschliche Gehirn kann Regeln wie die einer Fremdsprache automatisch abstrahieren – somit ist das Lernen von Grammatikregeln unnötig. Mehr dazu erfahren Sie hier)
  • Bei Sprachen mit anderem Schriftsystem (z.B. Russisch oder Chinesisch) waren die Lernerfolge besser, wenn zuerst das Video ohne Untertitel, danach mit Untertitel angesehen wurde. Dies ist darauf zurückzuführen, dass andere Schriftsysteme eher ablenken. Aus diesem Grund ist eine zusätzliche Transliteratur („Lautschrift“, Ausspracheschrift in das Schriftsystem Ihrer Muttersprache) hilfreich.
  • Ob AnfängerIn oder Fortgeschrittene/r – Videos mit Untertiteln führen auf jedem Lernniveau zu positiveren Resultaten als jene ohne Untertitel

 

Die 150 StudentInnen des Experiments waren begeistert von der Erfahrung:

Student X. „Die Untertitel haben mich irgendwie bestätigt. Ich konnte kontrollieren, ob meine Annahmen über die Wortbedeutung bzw. über das Thema der Konversation stimmten. (Spanisch-Lerner, 2. Jahr).

Student Y. „Ich mochte die Untertiteln sehr, weil man die Wörter hören und gleichzeitig sehen konnte. Das hilft mir beim Merken.“ (Russisch-Lernen, 2. Jahr)

Student Z. „Ich lerne wirklich nicht gut mit den Vokabellisten, die uns viele Lehrer aufgeben. Ich muss zuerst verstehen was die Wörter bedeuten und sie hören.“ (Chinesisch-Lernen, 2. Jahr).

 

Lerntipps für die Praxis

Nutzen Sie auch die positiven Effekte von Videos bzw. Filmen! Wir haben noch zwei zusätzliche Tipps für Sie herausgesucht… 

TIPP 1:

Verbindung zum Video-Inhalt erleichtert den Lernprozess.

Markham (2001)[4] hat in einer Studie herausgefunden, dass bereits vorhandene Hintergrundinformationen oder Interesse am Inhalt des Videos den Erfolg beim Lernen verbessern. Er hat 3 Studentengruppen – Muslime, Buddhisten, weder/noch – Videos auf Englisch (nicht-Muttersprache) mit englischen Untertiteln gezeigt. Der Lerneffekt war bei Videos über die Religion der jeweiligen Gruppe weitaus höher als bei Videos zu fremden Religionen.

TIPP 2:

Untertitel in Ihrer Muttersprache

Nutzen Sie auch Untertitel in Ihrer Muttersprache, um die Fremdsprache noch schneller zu erlernen! Unser Tipp ist eine sogenannte De-kodierzeile. Das ist ein zweizeiliger Text; oben steht die Fremdsprache, die im Video zu hören ist. Darunter steht jedes Wort der Fremdsprache direkt übersetzt – also Wort für Wort.

Mit dieser Art der Übersetzung merken Sie sich die fremdsprachigen Vokabeln ohne lästiges Vokabellernen. Nicht nur einzelne Wörter werden gelernt, sondern ganze Sätze.

In der Vertikalen (von oben nach unten) erlernen Sie die Bedeutung der Wörter. Damit ersparen Sie sich das langweilige Vokabelpauken.

In der Horizontalen, wenn Sie den ganzen Satz von links nach rechts lesen, lernen Sie den Aufbau der fremden Sprache kennen.

In den MOVIE© Sprachkursen verwendet Brain-Friendly die De-kodierzeile und sorgt so für ein absolut positives Lerngefühl. Der zweizeilige Text wird am Bildschirm angezeigt und der Audioton wird zeitgleich abgespielt. Wie beim Karaoke leuchten die Wortpaare parallel auf.

Probieren Sie es aus.

Zu den Brain-Friendly Film-Kursen »


[1] Bird und Williams, 2002. The effect of bimodal input on implicit and explicit memory: An investigation into the benefits of within-language subtitling. Applied Psycholinguistics, 23(4), pp 509-533.

[2] Danan, 2004. Captioning and subtitling: Undervalued language learning strategies. Meta, 49(1), pp 67-77.

[3] Winke, Gass und Sydorenko, 2010. The effect of captioning videos used for foreign language listening activities. Language Learning & Technology, 14(1), pp 65-86

[4] Markham, 2001. The influence of culture-specific background knowledge and captions on second language comprehension. Journal of Educational Technology Systems, 29(4), pp 331-343.

Content Managerin und Bloggerin Katharina Rucker beschäftigt sich seit 2011 intensiv mit der Birkenbihl-Methode sowie den Kreativtechniken und Denktools von Vera F. Birkenbihl. Seit 2014 arbeitet sie als selbstständige Online & Performance Marketerin: www.rucker-marketing.at

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