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Mobile Learning – ist der Trend gehirn-gerecht?

Handy_MobileLearningMehr als 6 Milliarden Menschen haben laut UNESCO Zugang zu einem mobilen Gerät. Bei einer Weltbevölkerung von etwa 7.3 Milliarden Menschen macht das also unglaubliche 82% aus. Mobile Technologie ändert unser Leben. Sie ändert auch die Art wie wir lernen.

Die UNESCO sieht Mobile Bildung als Chance, um Menschen auf der ganzen Welt einen einfacheren Zugang zu Bildung zu gewähren und möchte Bildung dadurch unterstützen und verbessern.

Was ist Mobile Learning eigentlich?

Mobile Learning ist Lehren und Lernen, das „unterwegs“ (etwa auf Reisen und beim Pendeln) stattfindet und mit mobilen Infrastrukturen, Anwendungen und Geräten unterstützt wird.[1]

Mobile Learning und die Wissenschaft

Mobile Learning ist durch Smartphones, Tablets und Co. In allermunde. Doch wissenschaftliche Hintergründe dazu sind eher schwammig. Grund dafür ist die extrem schnelle Entwicklung der Technik – Features der Geräte verändern sich so schnell, dass Wissenschaftler nicht genug Zeit haben um eine theoretische Basis für mobile Bildung zu schaffen[2].

Wissenschaftler[3] sind sich jedoch einig, dass die Innovation „Mobile Learning“ Bildung maßgeblich beeinflusst:

  • LehrerInnen und TrainerInnen werden nicht mehr nur als Vortragende angesehen
  • SchülerInnen kreieren selbst Inhalt für den Unterricht („teacher-generated vs. Student-generated content“)
  • SchülerInnen bringen sich aktiv in den Unterrichtsaufbau mit ein
  • eine höhere Interaktivität entsteht

Ist Mobile Learning nur ein Trend?

MobileLearning_GeraeteDer Begriff Mobile Learning kam im Jahr 2000 auf, gleichzeitig mit dem Wort „e-Learning“, was das Lernen mit Computern im Internet bezeichnet [4]. Waren es 2012 weltweit noch 1 Milliarde Smartphone-Nutzer, rechnet man bis 2018 mit einem Anstieg von bis zu 3 Milliarden Nutzern.[5] Das Smartphone ist also ein alltäglicher Begleiter vieler Menschen und wird es in den nächsten Jahren noch verstärkter werden. Auch wenn das Smartphone irgendwann mal abgelöst werden könnte, wie zum Beispiel durch das „Internet of Things“, bleiben die „Begleiter“ mobile Geräte, die uns in unserem Alltag unterstützen – so auch beim Lernen. Mobile Learning ist also kein Trend, der nach ein paar Jahren wieder verschwindet, sondern ein Lebenswandel.

Und wie schafft das der Mensch?

Die Gute Nachricht: unser Gehirn ist dafür bestens gerüstet.

Wir lernen am effizientesten in 10-Minuten Einheiten. Mehr darüber erfahren Sie gleich nach der folgenden Erfahrung die an der Universität Australien gemacht wurde.

Das Projekt „Journalismus 2.0“

Die Integration von mobilen Geräten in den Unterricht lässt viele LehrerInnen zunächst aufschrecken. Der Grund ist oftmals die Angst vor genereller Veränderung, oder der Zweifel daran, als LehrerIn selbst mit dem Technik-Know-How der SchülerInnen mithalten zu können. Welche Gründe es auch immer sind, einige Beispiele ermutigen:

Das Projekt „Journalismus 2.0“ an der Universität von Australien etwa hat 2012 große Wellen geschlagen. Mobile Geräte von den StudentInnen wurden bis 2012 im Unterricht verboten denn man fürchtete dass diese vom wesentlichen Unterricht ablenken könnten. TrainerInnen lehrten sogar welchen Einfluss Social Media iauf den Journalismus hat, indem sie ausgedruckte Statistiken und Beispiele austeilten. Mobile Geräte mussten noch immer ausgeschalten bleiben. Durch das Projekt „Journalismus 2.0“ wurden Smartphones etc. im Unterricht erlaubt. TrainerInnen als auch StudenInnen waren begeistert von dem rapiden Wandel der Klassendynamik. Reale Beispiele von Social Media im Journalismus sind eben doch aussagekräftiger als trockene Statistiken.

Einige Wochen danach wurde Twitter als Diskussionsplattform eingeführt. StudenInnen brachten sich um ein Vielfaches mehr ein als zuvor. Ein Jahr danach wurden sogar einige Essays durch Twitter-Diskussionen ersetzt. Bald darauf wurde Storify.com genutzt – eine Authorenplattform, die das Einbinden von Fotos, Tweets und Blog Posts zum jeweiligen Thema erlaubt. Diese Plattform machte die Artikel der angehenden JournalistInnen reicher – an nachvollziehbaren Quellen, an Interaktivität, an aktuellen Informationen.

Das Projekt hat den Unterricht an der Universität revolutioniert.

Ist Mobile Learning gehirn-gerecht?

„Leerzeiten“ aktiv nutzen

Menschen verbringen ihre Zeit nicht nur am Arbeitsplatz oder an einem anderen einzigen Ort. Sie pendeln oder sind anderweitig unterwegs. Diese Leerzeiten und Wartezeiten zu nutzen liegt also sehr nahe. Mobile Medien, Lern-Apps etc. stellen Informationen und Lerneinheiten zur Verfügung die unabhängig von Raum und Zeit sind. Mobile Medien können deshalb Leerzeiten in Lerngelegenheiten verwandeln. Nutzen auch Sie diese Zeit effektiv! Mit mobilen Geräten werden Wartezeiten und Pausen im Alltag schnell und effizient genutzt, denn Ihr Handy haben Sie immer dabei.

10-Minuten-Technik sehr einfach umsetzbar

Nutzen Sie die „Konstruktion“ Ihres Gehirns! Dieses lernt nach jeder Aufnahmephase (auch bei anderen Inhalten und Themen) etwa 7 Minuten weiter, obwohl – oder gerade weil – Sie sich schon auf ganz andere Dinge konzentrieren. Daher ist es sinnvoll, das Lernen in Lerneinheiten von jeweils 10 Minuten einzuteilen. Nutzen Sie die Leerzeiten Ihres Alltags – und Sie werden mehrere 10-Minuten-Einheiten unterbringen ohne es zu merken. Damit beschleunigen Sie die Lerngeschwindigkeit und verkürzen die Dauer, bis Sie Ihr gewünschtes Ziel erreicht haben – vor allem im Vergleich zum herkömmlichen Vokabelpauken! Mehr dazu erfahren Sie hier.

Das Lernen in 10-Minuten einzuteilen ist besonders beim Mobile Learning ganz einfach. Wenn Sie ein Lernprogramm am Smartphone benutzen, ist dieses meist sowieso darauf angepasst, dass es in mehreren kurzen Einheiten verwendet wird.

Sollten Sie ohne App eine Sprache lernen wollen, so können Sie auch diese Aktivitäten in 10 Minuten einteilen. Wir empfehlen z.B. das Lesen eines fremden Textes in der Zielsprache. Das kann für Anfänger beispielsweise die Schlagzeile einer Zeitung sein. Bei Fortgeschrittenen eignen sich besonders gut Liedtexte oder Textpassagen aus eBooks. Schauen Sie sich den Text nun an und übersetzen Sie im Kopf jedes Wort in Ihre Muttersprache. Brain-Friendly nennt das „AKTIV HÖREN“ oder Verstehen lernen, denn durch dieses sogenannte De-Kodieren (Sie entschlüsseln jedes Wort einzeln) lernen Sie automatisch die Bedeutung des Wortes und die Grammatik der Fremdsprache. Ohne Pauken! Kennen Sie ein Wort noch nicht, schlagen Sie es einfach im Online-Wörterbuch nach.

Sehen Sie sich den selben Text zu einem späteren Zeitpunkt nochmal an – zum Beispiel vor dem Schlafengehen. Sie werden bereits am ersten Tag merken, wie viel Sie sich bereits gemerkt haben. Wiederholen Sie den Text auch am nächsten Tag (denn wir vergessen ca. 40% des Gelernten bereits nach 20 Minuten wieder – mehr zur Vergessenkurve nach Ebbinghaus erfahren Sie hier).

 

Flexibles und personalisiertes Lernen möglich

Durch die Vorteile von mobilen Medien ist ein hoch-individualisiertes Lernen möglich. Mobile Geräte haben viele Vorteile[6]:

  • Tragbarkeit: Die können überallhin mitgenommen werden.
  • Kontextsensitivität: Sie können auf den Ort und den spezifischen Kontext reagieren
  • Konnektivität: Die erlauben den leichten Austausch von Informationen
  • Individualität: Sie können an den Benutzer angepasst werden.

Ein gut aufgebautes Lern-App baut auf diese Vorteile von mobilen Geräten.

Auch wenn Sie ohne spezielles App mobil lernen möchten, ist das durch die genannten Vorteile um ein Vielfaches einfacher als noch vor 20 Jahren. Wichtig ist weniger die konkrete technische Umsetzung (z.B. als Lern-App), sondern vielmehr, dass diese Medien psychologische Prozesse beeinflussen bzw. unterstützen können.

So ist es beispielsweise möglich, dass Sie bei Ihrem Ausflug auf die Burg Riegersburg in Österreich bei der Anfahrt Wissenswertes über die Burg erfahren. Wissen Sie schon wieso im Brunnen ein Hufeisen „versteckt“ ist? Wenn Sie nun Englisch lernen möchten, können Sie diese Information genauso gut auf Englisch suchen und dabei neue Wörter und Phrasen kennenlernen.

Ein Mobile App zum Sprachenlernen ermöglicht Ihnen es auch flexibel den Inhalt der Lerneinheit zu wählen. Fühlen Sie sich gerade danach etwas Neues zu entdecken? Dann starten Sie eine neue Lektion! Möchten Sie diesmal eher passiv lernen? Dann beginnen Sie mit dem „Hintergrund-Hören“. Möchten Sie heute mal wiederholen? Dann gehen Sie nochmal Lektion 1 durch! Mobile Apps sind meist so flexibel wie kein Lernmaterial zuvor.

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Interaktivität – sozialer Nutzen – Motivation

Ein weiterer Vorteil von mobilen Geräten ist die soziale Interaktivität: Sie können im direkten Kontakt mit anderen benutzt werden, um eine gemeinsame Diskussionsgrundlage zu schaffen. Zusätzlich zum Spaß, den das Lernen/Diskutieren in Gruppen bringt, lernt man so auch virtuelle Teamarbeit sowie das Argumentieren kennen und wird zusätzlich von der Gruppendynamik motiviert.

Die Studie von Jane Vinther[7] hat etwa 400 Fremdsprachen-SchülerInnen über einen Zeitraum von 2 Semestern beobachtet. Ziel war es herauszufinden, wie sich Mobile Learning auf den Lernprozess auswirkt. Resultate haben ergaben, dass sich der Einsatz von mobilen Geräten im Unterricht und bei Hausaufgaben positiv auf folgende Bereiche auswirkte:

  • aktivere Teilnahme der SchülerInnen im Unterricht
  • höhere Motivation
  • mehr Eigenverantwortung und selbstständigeres Lernen
  • höhere Kreativität beim Lösen von Aufgaben
  • generell bessere Laune und Atmosphäre im Unterricht

 

Der „Gaming Effect“

Der Trick hinter Gamification: Jeder Erfolg wird belohnt. Und jede Belohnung motiviert zum Weitermachen. Es ist das Prinzip des Spielens, was uns dazu verleitet, Stunden mit einer Tätigkeit zu verbringen: Wir wollen uns verbessern, den High Score knacken etc. Begreift man Sprachenlernen als Spiel, eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten.

Zusammengefasst kann man die Frage „Ist Mobile Learning gehirn-gerecht“ also mit einem klaren JA beantworten. Es unterstützt die notwendige Flexibilität, macht Neugierig auf MEHR, lässt sich optimal in den Alltag integrieren und entspricht den technischen Entwicklungen der heutigen Zeit.

Dänemark ist laut UNESCO[8] das zur Zeit vielversprechendste Land im Bereich Mobiles Lernen. Nationale Richtlinien und eine starke Unterstützung von Bildungseinrichtungen und Lehrkörpern machen mobile Bildung möglich. Wir sind gespannt auf die internationalen Entwicklungen in diesem Bereich.

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Mobile Geräte fördern Bildung in Ländern der Dritten Welt

Millionen Menschen können heutzutage nicht lesen. 45% der Kinder in Äthiopien können nicht lesen. Bei den Erwachsenen sind es sogar 60%.

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Warum ist das so? Vor allem Länder der dritten Welt haben ganz einfach keinen Zugang zu Text. Die Studie „Reading in the mobile era“[9] der UNSECO im Jahr 2014 hat ergeben, dass ein Handy die Alphabetisierung in unterversorgten Ländern erheblich verbessern kann, weil dadurch Inhalt zum Lesen verfügbar ist. Mobile Geräte können also die Bildung von Menschen verbessern, was im Endeffekt soziale und wirtschaftliche Vorteile mit sich bringt.

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Zum vollständigen Report hier klicken. Quelle: UNSECO. Um die ganze Infografik zu sehen, klicken Sie hier.

[1] Prof. Dr. Oliver Bendel. Leiter Kompetenzschwerpunkt Digital Innovation & Learning (DIL)

[2] Zane L. Berge, Lin Muilenburg (2013). Handbook of Mobile Learning. Tayler & Francis, NY.

[3] Sharples M. (2001). Disruptive devices: Mobile technology fr conversational learning. International Journal of Continuiing Education and Lifelong Learning, 12(5/6). Und: Zane L. Berge, Lin Muilenburg (2013). Handbook of Mobile Learning. Tayler & Francis, NY.

[4] Prof. Dr. Oliver Bendel. Leiter Kompetenzschwerpunkt Digital Innovation & Learning (DIL)

[5] Statista (2015). http://de.statista.com/statistik/daten/studie/309656/umfrage/prognose-zur-anzahl-der-smartphone-nutzer-weltweit/

[6] Klopfer E., Squire K. und Jenkins H. (2002). Environmental Detectives: PDAs as a Window into a Virtual Simulated Wolrd. Proceedings of the IEEE International Workshop on Wireless and Mobile Technologies in Education (WMTE’02).

[7] Vinther J. (2014). Mobile learning and high-profiling language education.

[8] UNSECO Working Paper Series on Mobile Learning (2012). Turning on mobile learning in Europe. Illustrative Initiatives and Policy Implications.

[9] Published in 2014 by the United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization, 7, place de Fontenoy, 75352 Paris 07 SP, France

Content Managerin und Bloggerin Katharina Leitner beschäftigt sich seit 2011 intensiv mit der Birkenbihl-Methode sowie den Kreativtechniken und Denktools von Vera F. Birkenbihl. Seit 2014 arbeitet sie als selbstständige Online & Performance Marketerin: www.leitner-marketing.at

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