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Motivation für Neues? So macht Lernen wieder Spaß!

Haben Sie Kinder, Jugendliche oder MitarbeiterInnen, die für Neues (z.B. neue Tätigkeit auf der Arbeit) bzw. zum Lernen eine besondere Motivation benötigen?

Wenn ja, dann gehören Sie zur Mehrheit. Dieser Artikel wird Ihnen dabei helfen, Ihr eigenes Leben und das Ihres Umfeldes zu erleichtern.

„Motivation” stammt aus dem Lateinischen: motivum bedeutet Beweggrund oder Antrieb. Was treibt uns an, das Studium zu beenden? Was ist der Beweggrund regelmäßig Klavier zu üben?

Motivation ist lernbar

Diplompädagoge Detlef Träbert[1] klassifiziert Motivation als Persönlichkeitsmerkmal, welches sehr früh angelernt wird. Sobald eine „normative Leistungsanforderung“ (=gilt für alle) entsteht, wie etwa in der Schule, kann man schnell erkennen, wie motiviert ein Kind grundsätzlich ist: Hat es „Hoffnung auf Erfolg“ oder eher „Furcht vor Misserfolg“?

Träbert Motivationstendenz

Quelle: Familienhandbuch. Detlef Träbert.

Als Elternteil sind Sie also zu einem großen Teil für die Leistungsmotivation Ihres Kindes selbst verantwortlich und können diese mit folgenden kleinen Tipps erhöhen:

  1. Erfahrungen. Lassen Sie Ihr Kleinkind selbst Erfahrungen sammeln. In der Praxis: Lassen Sie Ihrem Kleinkind zum Beispiel Zeit um selbst nach dem Spielzeug zu greifen anstatt ihm jede Kleinigkeit nachzutragen.

„Wer einem Kind die Lösung eines Problems sagt, betrügt es um seine eigenen Erfahrungen“ (Jean Piaget)

  1. Entscheidungen. Eigenständig Entscheidungen zu treffen fördert selbstständiges Verhalten. Dadurch sind Menschen später eher zu Leistung motiviert. In der Praxis: Vermeiden Sie es, Ihrem Kind vorzuschreiben, wann es die Hausübungen zu erledigen hat. Geben Sie ihm gegebenenfalls nur einen Zeitrahmen vor. Wenn Sie dem Kind von Anfang an die Freiheit lassen, selbst zu entscheiden, wächst die Motivation.
  2. Ermutigungen. Zuspruch fördert zusätzlich die Leistungsmotivation. Ein Baby lernt das Gehen indem es immer wieder hinfällt. Würden Sie dem Baby bei jedem Hinfallen einen Klapps geben, würde es den Versuch zu Gehen sehr schnell aufgeben. Lob für Erfolge und auch für Versuche ist essenziell. Das Erfolgsgefühl schüttet den Neurotransmitter Dopamin aus, der die Anreizmotivation fördert und uns so zu immer neuen Leistungen anspornt[2]. Loben Sie Ihr Kind auch in Momenten, in denen es nicht damit rechnet. Das steigert das Selbstbewusstsein und die Motivation.

baby_motivationAuch wenn die generelle Leistungsmotivation durch frühe Prägungsvorgänge relativ stabil ist, so ist sie doch nicht unveränderlich!

So steigern Sie die (Lern-)Motivation von Kindern

Die Motivation Englisch zu lernen oder etwas zu leisten ist auch von den situativen Bedingungen abhängig. Diese können Sie durch folgende Tipps verbessern[3]:

  1. Schaffen Sie eine angenehme Arbeits-/Lernatmosphäre. Spielzeuge sollten vom Arbeitsplatz zwar entfernt werden, aber dennoch muss sich der Lernende wohl fühlen. Dekorieren Sie den Schreibtisch in der Lieblingsfarbe des Kindes, spielen Sie leise Hintergrundmusik, vergewissern Sie sich, dass immer ein Glas Wasser in Reichweite steht.
  2. Arbeits- und Bewegungseinheiten abwechseln und verbinden. Abwechslung ist für die Motivation des Kindes wichtig. Wir empfehlen Ihnen die Einteilung der Lernzeit in 10-Minuten Einheiten. Das unterstützt Ihr Kind zusätzlich beim Lernen, denn nach jeder Aufnahmephase lernt unser Gehirn ca. 7 Minuten unterbewusst weiter. So verdoppeln wir fast die Lernzeit. Zum Beispiel: 10 Minuten Englisch, 10 Minuten Mathematik, 10 Minuten Englisch. Mehr zur 10-Minuten-Technik erfahren Sie hier.
    Verbinden Sie die Aufgaben zusätzlich mit Bewegung: Das Einmaleins kann man auch beim Seilspringen üben und bringt zusätzlich enormen Spaß. Schreiben kann man auch im Stehen à Das Bügelbrett eignet sich gut als Stehpult.Wechseln Sie den Schreibtischsessel durch einen großen Gymnastikball aus etc.
  3. Machen Sie einen Rollentausch. Lassen Sie sich von Ihrem Kind erzählen, was es gerade gelernt hat. Interessierte Nachfragen ermutigen das Kind indem es Ihnen etwas beibringen kann.
  4. Mit allen Sinnen erleben. Wer mit allen Sinnen lernt, behält bis zu 90 Prozent mehr. Daher sollte man das, was man lernt, mit allen Sinnen „begreifen“ (In den Wald gehen und Blätter sammeln und benennen; beim Einkaufen rechnen etc.). Zusammengefasst heißt das: anschauen, anfassen und benutzen. Tipp: Digitale Medien vermitteln Lerninhalte spielerisch und sprechen verschiedene Sinne gleichzeitig an. Das macht Spaß und motiviert. Die Film-Sprachkurse von Brain-Friendly machen besonders viel Spaß: Serie angucken und nebenbei eine Fremdsprache lernen!
  5. Gehen Sie mit gutem Vorbild voran. Ihrem Kind fällt es leichter, einen Zeitplan anzunehmen, wenn ein Familien-Terminkalender an der Wand hängt. Ihr Kind ist motivierter sein Zimmer sauber zu halten, wenn auch Sie Ihr Schlafzimmer regelmäßig putzen. 

 

So kommen Mitarbeiter top-motiviert zur Arbeit 

“If people are coming to work excited…if they’re making mistakes freely and fearlessly…if they’re having fun…if they’re concentrating on doing things, rather than preparing reports and going to meetings…then somewhere you have a leader.”, Robert Townsend

Nach Townsend ist die wichtigste Aufgabe einer Führungskraft zu motivieren.

Der/die unmittelbare/r Vorgesetzte hat die Entwicklung der MitarbeiterInnen in seiner/ihrer Macht, auch wenn das allgemein nur selten zugegeben wird.

In einer Firma oder Abteilung, in der die Menschen sich geachtet und respektiert fühlen und wo sie das Gefühl haben, wertvolle (wichtige, sinnvolle) Arbeit zu leisten, arbeitet man tatsächlich GERNE. Ich habe in meiner Recherche zwei Dinge aufgeschnappt, die in Artikeln etc. immer wieder vorkamen: VERGEBEN und LOB.

Der Unternehmensberater Prof. Charles Handy[4] beschreibt die Lösung von Motivationsproblemen in Firmen mit einem Wort: „Vergeben”. Natürlich machen MitarbeiterInnen Fehler. Das sieht die Firma des Engländers als Chance: „Wir vergeben den Menschen, und sie lernen daraus.“

Zu viele hinterfragen Fehler mit: „Wer hat diesen Mist gebaut?”. Doch Achtung! Dieses Suchen nach einem Schuldigen schafft definitiv eine Atmosphäre des Unwohlbefindens in der man Angst vor dem nächsten Fehler hat und immerzu „auf der Hut“ sein muss.

Vergeben Sie den Menschen also! Fehler sind menschlich und ein wichtiger Teil des Lernprozesses.

Auch Robert Townsend[5] wies darauf hin, dass Menschen dazu tendieren, unsere Mitarbeiter bei Fehlern zu „erwischen”. Er rät daraufhin: „Erwische deine Mitarbeiter, wenn sie es richtig machen!“ Zeigen Sie Ihren MitarbeiterInnen, dass Sie es bemerkt haben und schätzen, dass etwas geklappt hat – nicht nur bei außergewöhnlichen Leistungen, sondern auch mal bei Routinearbeiten. Lob hört jeder gerne, denn dadurch wird Wertschätzung gezeigt.


 

[1]Wie können wir die Lernmotivation von Kindern fördern? (2012) Detlef Träbert. http://www.familienhandbuch.de/schule/schulprobleme/wie-konnen-wir-die-lernmotivation-von-kindern-fordern[2]Erfolg – ein starker Motivator: http://dasgehirn.info/denken/motivation/erfolg-2013-ein-starker-motivator/[3]TRÄBERT 2010: Detlef Träbert, Null Bock auf Lernen? So fördern Eltern die schulische Leistung ihrer Kinder, Weinheim (Beltz) 2010. Und Daniel Bialecki, Geschäftsführer scoyo GmbH: Lernmotivation steigern: https://www-de.scoyo.com/dam/ratgeber-downloads/whitepaper-lernmotivation-steigern/whitepaper-lernmotivation-steigern.pdf[4] In: The Age of Unreason[5] In: Further Up the Organization

Content Managerin und Bloggerin Katharina Leitner beschäftigt sich seit 2011 intensiv mit der Birkenbihl-Methode sowie den Kreativtechniken und Denktools von Vera F. Birkenbihl. Seit 2014 arbeitet sie als selbstständige Online & Performance Marketerin: www.leitner-marketing.at

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