Sprachschule für SpanierInnen eröffnet in Benissa, Spanien.

In Europa leiden besonders Länder wie Griechenland (27,3%) und Spanien (24,5%) unter Arbeitslosigkeit. Vor allem die massive Jugendarbeitslosigkeit scheint keinen Abbruch zu nehmen. Rund 56% der Griechen und 53% der spanischen Jugendlichen unter 25 Jahren sind arbeitslos[1].

Junge SpanierInnen gehen oft ins EU-Ausland, um dort Arbeit zu finden. Besonders Deutschland ist ein beliebtes Ziel, von dem man sich mehr Jobs und höhere Löhne erhofft.

„Komm nach Deutschland, Pepe“ – das ist der Titel eines spanischen Kultfilms aus dem Jahr 1971. Über 40 Jahre nach seinem Erscheinen ist dieser aktueller denn je. In der Komödie über die Gastarbeiterwelle der damaligen Zeit verlässt der Protagonist sein spanisches Heimatdorf, um in Deutschland zu arbeiten. In den 60er-Jahren weckte Deutschland vor allem Hoffnung für ungelernte Gastarbeiter. Heute sind hingegen Fachkräfte und Ingenieure gefragt.

 

Fehlende Perspektive für junge SpanierInnen

Junge Menschen werden eher entlassen, als eingestellt, so die Tagesschau im Interview[2] mit Thomas Bernd Stehling, seit 2010 Leiter des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer Stiftung[3] in Spanien. „Das sind die bestausgebildetsten Spanier seit der Franco-Diktatur, wirkliche Top-Leute. Denen fehlt eine Perspektive“.

Die Anfragen für spanische Fachkräfte sind in den letzten Jahren zwar gestiegen, jedoch hat sich die Zahl der Einstellungen kaum verändert. „Trotz der Medienberichterstattung über den Fachkräftemangel in Deutschland, erwarte ich keine massive Emigration. Bislang haben nur wenige Spanier den Schritt nach Deutschland gewagt – zum einen wegen der Sprachbarriere, zum anderen sind die Spanier sehr heimatverbunden, häufig auch durch Hypotheken belastet.“, so Stehling.

 

Andrang auf Deutsch-Sprachschulen nimmt stetig zu

An den Sprachschulen in Spanien ist derzeit Deutsch besonders gefragt. Durch eine gute Vorbereitung soll der Einstieg ins deutsche Berufsleben leichter fallen.

Durch die aktuelle Arbeitslosenkrise in Spanien ist der deutsche Unternehmer und Wahl-Spanier Frederic Chmiel auf die Idee gestoßen, eine Sprachschule in Benissa zu eröffnen. Neben Spanischkursen für Deutsche, die in Spanien leben und die lokale Sprache lernen möchten, ist die Hauptzielgruppe SpanierInnen, die berufsbedingt ins deutschsprachige Ausland gehen möchten. Frederic Chmiel hat sich mit dem Thema Arbeitslosigkeit in Spanien und Fachkräftemangel in Deutschland intensiv beschäftigt: „Wir waren in Deutschland unterwegs, auf Jobmessen, und haben mit vielen großen Unternehmen gesprochen. Deren Nachfrage [nach spanischen Fachkräften] war sehr gut, muss man sagen. Viele würden in Deutschland gerne Spanier einstellen, weil die Ausbildung der Studenten doch sehr gut ist. Es scheitert aber immer wieder an den Sprachkenntnissen.“

 

Katharina Leitner: Ist es schwer die spanische Zielgruppe, die Deutsch lernen möchte, zu erreichen?

Frederic Chmiel: Gerade jetzt, in der spanischen Urlaubszeit, ist die Resonanz einfach zu gering, weil viele Leute nicht ansprechbar sind. Auch an den Universitäten hat man jetzt Ferien. Deshalb hat sich das nicht als ganz einfach herausgestellt. Die Resonanz an solches ist sehr gut, denn der Plan lautet ja, den Spaniern in ihrem eigenen Lande erst einmal Deutsch soweit beizubringen, dass sie B2, möglicherweise C1 (GERS Referenzrahmen), erreichen, um sich dann bei den Arbeitgebern in Deutschland vorzustellen. Das Ziel der Sprachausbildung ist auch, den Leuten dann Bewerbungsgespräche zu verschaffen. Wenn sie einen 6-Wochen-Intensivkurs bei uns gemacht haben, wollen wir ihnen 2 Bewerbungsgespräche in Deutschland, Österreich oder der Schweiz garantieren.

 

Katharina Leitner: Herr Chmiel, Sie haben gesagt, Sie arbeiten mit der Birkenbihl-Methode als Lehrmethode. Wieso haben Sie sich für diese Methode entschieden?

Frederic Chmiel: Das ist eine gute Frage. Eigentlich war es mehr Zufall. Bei meinen Recherchen habe ich sehr viel Stoff zu Vera Birkenbihl gefunden. Die Videos auf YouTube haben mich sofort begeistert – die Frau selber hat mich auch sehr begeistert […] Emil Brunner[4] hat mich überzeugen können, dass die Lehrmethode einer der besten ist.

 

Katharina Leitner: Haben Sie selbst Erfahrungen mit der Methode?

Frederic Chmiel: Wir haben ja hier [in Benissa] einen 2-tägigen Lehrgang mit Emil Brunner und Sarah[5] gemacht. Alle Trainer die hier waren, es waren insgesamt fünf Leute, waren begeistert von der Methode. Drei von Ihnen hatten bereits selbst Erfahrung als Fremdsprachenlehrer und fanden die Methode einfach hervorragend, weil sie kurzfristig Erfolge nachweist. Insofern sind wir begeistert von dieser Methode und denken, sie ist die richtige, um sie hier anzuwenden.

 

Katharina Leitner: Zum Schluss noch eine Frage: Wie sehen Sie die Zukunft von Sprachschulen in Spanien?

Frederic Chmiel: Ich sehe darin eine große Zukunft. Wir haben viele Bekannte aus Barcelona und Madrid, die bereits bedauert haben, dass wir nicht auch vor Ort Schulen haben […] Wir denken jetzt schon darüber nach, nachdem wir die ersten Erfahrungen gesammelt haben, an verschiedenen Standorten mehrere Schulen zu eröffnen, denn die Nachfrage ist sehr groß. Es gibt viele Eltern, die großen Wert darauf legen, dass Ihre Kinder Deutsch lernen. Insofern sehen wir da eine sehr große Nachfrage in Spanien.

Und die Birkenbihl-Methode ist hier in Spanien im Grunde unbekannt, es hat noch nie jemand davon gehört […] Aber jetzt, nachdem Emil Brunner sehr schnell reagiert und sehr schnell Lehrmaterial zur Verfügung gestellt hat, denke ich, dass wir in kurzer Zeit einen größeren Bekanntheitsgrad haben werden.

In der 2. Septemberwoche beginnt bei ITOC in Benissa der erste Lehrgang „Spanisch für Deutsche“. Der einwöchige Kurs wird als Lernphase und Pilotprojekt gesehen. Anfang Oktober ist dann der Start des Lehrgangs „Deutsch für SpanierInnen“ geplant.

 

Wir wünschen Frederic Chmiel und seinem Team alles Gute für den Start der Sprachschule und freuen uns schon, über Fortschritte informieren zu dürfen.
www.itoc.es

 

[1]Jugendarbeitslosenquoten in den EU-Ländern Juni 2014. Quelle: Statista.com

[2]Jugendarbeitslosigkeit in Spanien.Schwarzarbeit, Uni oder Deutschland. Interview mit Spanien-Experten Stehling.

[3]Die Konrad-Adenauer-Stiftung ist eine politische Stiftung der Bundesrepublik Deutschland. Mit ihren Programmen und Projekten leistet sie einen aktiven und wirksamen Beitrag zur internationalen Zusammenarbeit und Verständigung. www.kas.de

[4]Geschäftsführer der Bizzons eMarketing GmbH, Birkenbihl-Sprachenhttp://www.birkenbihl-sprachen.com/pages/Emil-Brunner

[5]Team Birkenbihl-Sprachen: www.birkenbihl-sprachen.com
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