de_bl_traumlernen_all_16-10_850_372
Haben Sie schon mal in einer anderen Sprache geträumt? Oder davon geträumt, eine Fremdsprache fließend sprechen zu können? Im Durchschnitt schläft ein Mensch 75 Jahre lang jede Nacht acht Stunden. Das sind 220.000 Stunden Schlaf. Was, wenn man diese Zeit nun doch aktiv nutzen könnte?

Der kanadische Wissenschaftlicher Joseph de Koninck hat in den 80ern bei Französischlernenden herausgefunden, dass das Sprechen der Fremdsprache mit dem Träumen in der Fremdsprache korreliert.

Man sagt: Wer in einer anderen Sprache träumt, beherrscht diese erst wirklich. Das mag stimmen. Denn außer in der Muttersprache träumt man nur in jenen Sprachen, die man schon fast zur Perfektion beherrscht.

 

Die Wissenschaft

Träume zu erklären und zu erforschen ist generell eine Herausforderung. Wir wissen vergleichsweise sehr wenig über das Träumen. Ob Träume überhaupt einen psychologischen oder physiologischen Zweck haben, wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Über den Zusammenhang zischen Träumen und Sprachenlernen weiß man daher auch wenig bzw. können Phänomene nur schwer erklärt werden.

Häufig wird angenommen, dass das Träumen dabei hilft, Probleme zu lösen, Informationen zu verarbeiten, oder das loszuwerden, was das Gehirn nicht braucht. „Um komplexe Inhalte zu verarbeiten, braucht unser Gehirn eine Phase, in der äußere Reize ausgeschaltet sind“, sagt Jan Born, Schlafforscher an der Universität Tübingen.

Viele Webseiten und vermeintliche Experten sprechen sich klar gegen die Lernmöglichkeit im Schlaf aus. Der Grund dafür soll sein, dass unser Gehirn während des Schlafs stark von der Außenwelt abgeschottet wird und keine Reize von außen durchdringen. Eine Studie[1], die Düfte und das Lernen von Duft-Musik-Verbindungen im Schlaf zeigte jedoch eindeutig, dass Schlafende auf Düfte reagierten. Rochen sie einen unangenehmen Duft, atmeten die Schlafenden unwillkürlich flacher, war der Duft dagegen angenehm, atmeten sie tiefer ein. Die Forscher testeten auch, ob sich die Probanden die Verknüpfung zwischen Tönen und Duft gemerkt hatten: Hatte ihr Gehirn trotz Ruhepause und Abschirmung die jeweiligen Paarungen gelernt? Ja. Auch nach dem Aufwachen blieb diese Reaktion erhalten.

 

So nutzen Sie das Träumen zum Lernen

Lernstoff unter’s Kopfkissen legen?

Meine Oma hat mir immer empfohlen, das Mathematikbuch oder das Vokabelheft unter das Kopfkissen zu legen. Damals hab ich es hin und wieder gemacht. Vor allem vor großen Prüfungen. Auch wenn der Lernstoff eher nicht vom Heft bzw. Buch in mein Gehirn wandert, hat mir diese Tat doch geholfen. Denn die Psychologie ist nicht zu unterschätzen. Was wir erwarten oder befürchten, neigt dazu, wahr zu werden. Das ist die Selbsterfüllende Prophezeiung.

 

Durch Schlaf ins Langzeitgedächtnis

Ohne es zu merken, wandelt ein Säuglingshirn das am Tag Erlebte in Wissen und Fähigkeiten um. Quasi im Schlaf. Ausreichender und guter Schlaf ist also wichtig, um Gelerntes zu festigen, das steht fest.

In der Ruhephase findet ein ganz entscheidender Schritt des Lernens statt: der Übergang von unbewusst Aufgenommenem zu expliziten Fähigkeiten. Neue Informationen werden vom Arbeitsgedächtnis in das Langzeitgedächtnis transportiert. In unserer Hirnrinde, dem Sitz des Langzeitgedächtnisses, werden dabei neue Nervenverbindungen angelegt.

„Das Gedächtnis, das im Schlaf gebildet wird, ist kein passiver Prozess, wo sozusagen einfach Klebstoff über die Inhalte kommt, um sie zu fixieren. Es ist ein aktiver Vorgang, ein Abstraktionsprozess weg von der einzelnen erlebten Episode hin zum semantischen Gedächtnis“, sagt der Leibniz-Preisträger und Schlafforscher Jan Born von der Universität Tübingen.

 

Wiederholen vor dem zu Bett gehen

Florence Cardinal von der kanadischen National Sleep Foundation empfiehlt, vor dem Zubettgehen den Lehrstoff zu wiederholen und dann das Gehirn im Tiefschlaf die Arbeit machen zu lassen, das Gelernte im Gedächtnis zu verankern. Bereits 10 Minuten reichen aus, um das Gehirn in Schwung zu bringen.

 

Träume beeinflussen

Klarträume (“Luzide Träume”, also von Ihnen selbst beeinflusste Träume[2]) räumen ein, dass man bewusst die Entscheidung treffen kann, im Traum zu lernen – also Gelerntes zu wiederholen, einen fremdsprachigen Text schreiben oder ein Gespräch mit einer ausgedachten Person zu führen.

 

Lernen mit Ultraschall-Geräten die über die Haut übertragen

Sie legen sich ins Bett. Am Kopf, an Hüfte oder Fuß kleben Metallplättchen. Über diese „Hautlautsprecher“ spielt ein Ultraschallgerät die ganze Nacht eine Fremdsprachenlektion ab. Während das Ohr ein leises Rauschen hört, saugt die Haut die Informationen auf – 120 Mal schneller als über das Gehör. Auf diese Weise könnte man das Sprachensprechen vier bis acht Mal schneller. Könnte oder kann? Schon bald stellt Linguajet ein Gerät vor, dass Sei beim Sprachenlernen wirklich wie beschrieben bzw. so ähnlich unterstützen kann. Mehr dazu hören Sie in Kürze. TIPP: In der rechten Spalte zum Infomail anmelden – damit erhalten Sie Neuigkeiten wie diese als Erster.

Beispiel: Hitradio Ö3 hat Linguajet mit einem Haut-Hör-Geräte… und das Sprachenlernen im Schlaf über 2 Wochen getestet: http://oe3.orf.at/stories/2656403/

 

Unterbewusstes Lernen mit Subliminals

Wenn wir „die Bremse Bewusstsein“ umgehen, können wir viel mehr in kürzester Zeit aufnehmen. Diese Technik nennt man Subliminales Lernen (engl. „subliminal learning“). Subliminal Learning nimmt sozusagen eine Abkürzung. Es lässt die Übungs- und Wiederholungsphasen weg und dringt direkt zum Unterbewusstsein vor.

Erhalten wir während dem Schlaf Informationen (einen Stimulus), hilft uns das dabei Erinnerungen zu verstärken und Wissen zu festigen. Vor allem das Wiederholen von zuvor Gelerntem im Wachzustand kann “wie im Schlaf” geschehen. Dazu spielen Sie zum Beispiel eine Audio-Aufnahme eines Textes (den Sie verstehen und deren Wortbedeutungen Sie gelernt haben) so leise im Hintergrund ab, dass Sie den Text kaum noch verstehen. Ihr Gehirn hört jetzt zu – ähnlich wie beim “Lernen im Schlaf”, wenn Sie zuvor Gelerntes abspielen.

Mehr dazu lesen Sie in diesem Artikel: Subliminal Learning.

 


[1] Anat Arzi (Weizmann Institute of Science) et al.: Nature Neuroscience; doi: 10.1038/nn.3193

[2] Motorisches Lernen im luziden Traum: Phänomenologische und experimentelle Betrachtungen, Erlacher, Daniel. http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/5896/

Bitte liken & teilen:

Über den Autor

Content Managerin und Bloggerin Katharina Leitner beschäftigt sich seit 2011 intensiv mit der Birkenbihl-Methode sowie den Kreativtechniken und Denktools von Vera F. Birkenbihl. Seit 2014 arbeitet sie als selbstständige Online & Performance Marketerin: www.leitner-marketing.at

Hinterlassen Sie einen Kommentar