Dank ihr behalten wir vermeintlich den Überblick im stressigen Alltag. Sie ist das Organisationstool, das uns den Arbeitstag erleichtert. Wir lieben ToDo-Listen. Genauso gern haben wir auch andere Listen – wie Vokabellisten, oder? Dabei können laut Vera F. Birkenbihl nur 3% aller Menschen mit Vokabellisten umgehen und damit eine Sprache erlernen.

Menschen hatten schon immer den Drang Listen zu erstellen… 10 Gebote. 7 Weltwunder, usw. Die Welt in Listen zu verpacken, vermittelt uns die Illusion von Einfachheit Übersichtlichkeit. Nicht zuletzt deshalb, weil eine Liste das Ende dieser erahnen lässt. Haben wir eine Liste von 200 Vokabeln vor uns, glauben wir abschätzen zu können, wie lange wir brauchen um sie auswendig zu lernen. Sind wir bei Wort Nummer 167 angelangt, glauben wir schon fast fertig zu sein. Wir denken den Überblick zu behalten und möchten so schnell wie möglich fertig sein.

Mit ein Grund dafür ist auch die sinkende Aufmerksamkeitsspanne: Die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne eines Menschen ist laut der US-Studie „Attention Span Statistics“ von 12 Sekunden im Jahr 2000 auf 8 Sekunden im Jahr 2013 gesunken. (Zum Vergleich: Ein Goldfisch kommt auf 9 Sekunden!). Das Auswendiglernen und Lernen von Listen erfordert aber hohe Konzentration und Durchhaltevermögen, denn sonst gibt man nach Kurzer Zeit auf – und man hat sich nichts gemerkt. Sich durch Vokabelpauken die einzelnen Wortbedeutungen zu merken ist möglich – wenn man durchhält. Aber eine Sprache ganzheitlich zu verstehen, das geht nicht.

Listen sind sequenziell angeordnet, also der Reihe nach. Ist das gut? Der Wissenschaftler und Anthony Gregorc unterscheidet zwischen sequenziellem und zufälligem Lernen: Wer sequenziell lernt, ordnet das Gelernte alphabetisch im Gedächtnis an oder ordnet die Wörter nach Wortarten. Somit ist die Bedeutung eines Wortes nur in dieser einen Reihenfolge zu finden, was bedeutet, dass wir zum Finden der Bedeutung länger brauchen. Lernen Sie hingegen zufällig, werden die Bedeutungen willkürlich organisiert und so situativ durch Assoziationen hervorgerufen. So finden Sie die Bedeutung schneller – ohne langem Überlegen.

 

„Nur so lernst du die Sprache“ – Das hat doch immer so funktioniert! Oder doch nicht?

Der traditionelle Sprachunterricht zielt auf das Auswendiglernen von einzelnen Vokabeln ab. Doch nur weil wir seit Jahrhunderten so Sprachenlernen, ist das keinesfalls die beste Lösung!

Vokabellisten sind mehr als ein halbes Jahrhundert alt. Früher hat man die Wörter und Wortpaare niedergeschrieben, um die Sprachkultur weitergeben zu können, um sicherzustellen, dass sie von Generation zu Generation übermittelt wird.
Mittlerweile gibt es – dank technologischem Fortschritt – zahlreiche andere Möglichkeiten, welche die Arbeitsweise des Gehirns viel besser unterstützt. Gehirn-gerechtes Sprachenlernen ist die Sprache zu entdecken, zu entschlüsseln, das funktioniert mit der De-Kodier-Methode immer im gesamten Satz-Zusammenhang. So wird die Bedeutung der Wörter und die dazugehörenden Anordnung dieser (=Grammatik) intuitiv erlernt und im Langzeitgedächtnis angelegt.

Während das traditionelle Vokabelheft zumindest in der Fachliteratur aufgrund seiner lernpsychologischen Nachteile inzwischen weitgehend abgelehnt wird, wird das Wortschatzlernen mit der Lernkartei noch immer als sinnvolle Alternative empfohlen. Leider! Auch die Kombination mit Bilder und übersetzen Wörtern ist nur eine andere Form der Vokabelliste.

Vokabellisten sind doof. Lernkarteien auch.

Viele Websites, Sprachanbieter und vor allem Lernapplikationen empfehlen zum Großteil Lernkarteien – völlig unkritisch, ohne auf die entsprechenden Probleme in der Praxis einzugehen.

Vokabellisten sind eine Aneinanderreihung von losgelösten Wörtern. Auch einzelne Wörter auf Karteien sind Kontext-los. Sie stehen in keinem Zusammenhang zum Inhalt und können auf keinste Weise mit anderen Wörtern und Phrasen vernetzt werden. Lernen Sie als Schüler also ein Wort und seine (meist einzige?) Bedeutung in einer Liste oder Karteikarte, heißt das noch lange nicht, dass Sie das Wort auch verstehen oder anwenden können. Eine Sprache besteht nämlich aus mehr als Wörtern – es geht um verschiedene Bedeutungen, den Einsatz von Grammatik und das Lesen zwischen den Zeilen. Denn eine Sprache ist der Spiegel einer Kultur. Das können Vokabellisten und Grammatikregeln niemals wiedergeben.

Ein gewichtiges Argument gegen das Vokabelheft ist die Tatsache, dass es „oft nur den Vokabelteil des Lehrbuchs verdoppelt und seine Erstellung eine reine Abschreibarbeit ist, ohne Vertiefung in anderen wichtigen Dimensionen des Wortschatzes“[1]. In anderen Worten: Es fehlen wichtige Zusatzinformationen der Sprache wie z.B. die korrekte Aussprache, Hinweise auf false friends (Es ist oftmals etwas verwirrend, da diese Wörter zwar fast wie deutsche Wörter klingen bzw. geschrieben werden, aber eine ganz andere Bedeutung im Englischen haben, wie z.B. das englische Wort “actual”, was nicht “aktuell” heißt, sondern tatsächlich), Beispielsätze und Definitionen sowie alles, was man nicht in Büchern findet, sondern eben intuitiv erlernen muss.

Eine Reihe von Lehrern „lösen“ das Problem, indem sie die Kinder auffordern sich einen eigenen sinnvollen Beispielsatz auszudenken und neben das Wort zu schreiben. Es ist wohl völlig klar, dass durchschnittliche Schüler damit hoffnungslos überfordert sind.

Auch durch den Wechsel des Mediums – hin zu digitalen Lernmethoden – hat sich darüberhinaus das Problem der Kontextualisierung durch Beispielsätze noch nicht gelöst, es wird im Gegenteil eher noch schwieriger.

Das Auswendiglernen einer Wortliste ist sinnlos, denn dadurch ist es unmöglich, eine Fremdsprache ganzheitlich zu erlernen! Die einzelnen Teile können vom Gehirn nicht verarbeitet werden. Unser Gehirn kann keinen Sinn erkennen und ist daher nicht bereit sich dieses „unnötige“ Wissen ins Langzeitgedächtnis zu speichern. Bereits 20 Minute nach dem Erlernen von Vokabellisten sind bereits 40% vergessen (nach Ebbinghaus), man merkt sich praktisch nichts (siehe dazu: Mindestens 3 mal wiederholen, sonst vergessen Sie’s!)

Das Pauken von Vokabeln ist aus folgenden Gründen kontraproduktiv:

  1. Vokabeln sind isolierte Daten ohne Zusammenhang, die wir uns nicht merken können.
  2. Nur was gehört wurde, kann auch gesprochen werden.
  3. Es kommt zu Aussprachefehlern, die wir nie mehr loswerden.
  4. Menschen, die viel Vokabeln pauken sind die schlechtesten Sprecher.
  5. „Tischtable“ oder „Messerknife“ sind Pseudowörter, die uns das Sprechen ohne Nachzudenken unmöglich machen.
  6. Für ein Wort gibt es oft mehrere Bedeutungen
  7. Pauken ist langweilig und bringt Frust mit sich!

 

Details zu den einzelnen Punkten und weitere Gründe finden Sie im Beitrag nach Vera F. Birkenbihl: 10 Gründe gegen stures Vokabelpauken.

 

Alternativen zu Vokabelheft, Lernkartei und Co

Die Wortbedeutung – Lernen im Zusammenhang

Was man selbst entdeckt, merkt man sich am schnellsten. Beim De-Kodieren schlagen Sie jene Wörter, die Ihnen unbekannt sind, selbst nach. De-Kodieren bedeutet „entschlüsseln“. Die fremde Sprache wird also so zerlegt, dass man die Einzelteile versteht und damit auch den Zusammenhang der Worte. Der Begriff wurde von Vera F. Birkenbihl geprägt – Managementtrainerin und Bestseller-Autorin aus Deutschland.

Hier ein Beispiel:

J’ai été à l’école en Allemagne.
Ich’habe (bin) gewesen in der’Schule in Deutschland.

 

In der oberen Zeile steht die Fremdsprache, in der unteren schreiben Sie selbst die Wort-für-Wort-Übersetzung auf. Dabei erlernen Sie intuitiv immer die richtige Verwendung von Wörtern mit Mehrfach-Bedeutungen, direkt aus dem Zusammenhang des ganzen Satzes.

Details zum De-Kodieren finden Sie hier: 10 Gründe für das De-Kodieren.

 

Die Grammatik – Die Muttersprache nutzen

Das De-Kodieren hilft Ihnen auch beim Erlernen der Grammatik. Und das ohne auswendig zu lernen, sondern intuitiv und automatisch. Durch die De-Kodierung eröffnen Sie Ihrem Gehirn die „Sicht auf die Regeln der Fremdsprache“. Im Gegensatz zum Vokabelpauken ist das De-Kodieren eine „Brücke“ zur Muttersprache, die wir nur solange nutzen, bis wir die Fremdsprache verstehen.

Die Lernsoftware von Linguajet ist der einzige Anbieter, welcher mit dem De-Kodieren und mit der Birkenbihl-Methode allgemein arbeitet. Kurse sind für die populärsten Fremdsprachen verfügbar: www.linguajet.de

 

Das Schreiben

Mit der Kritik meine ich nicht, dass das Schreiben neuer Wörter im Allgemeinen sinnlos wäre. Natürlich müssen neue Wörter geschrieben werden, damit sich über die Bewegung der Hand das Schriftbild einprägt. Lernen Sie eine Sprache durch das De-Kodieren, sehen Sie die Wörter viele Male – dadurch werden Sie auch rasch schreiben können.

 


Fazit

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Aufwand und Ertrag von konventionellen Lernkarteien meistens in keinem sinnvollen Verhältnis stehen. Lehrer, Trainer und Eltern müssen weggehen von veralteten Lern- und Lehrmethoden und aktuelle neurowissenschaftliche Erkenntnisse sowie modern Technik anerkennen und miteinbeziehen. Ein Weitermachen wie bisher ist reine Faulheit und Ignoranz.

 

[1] Johannes-P. Timm (Hg.). Englisch lernen und lehren – Didaktik des Englischunterrichts. Berlin: Cornelsen, 1998, S. 289

 

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Über den Autor

Content Managerin und Bloggerin Katharina Leitner beschäftigt sich seit 2011 intensiv mit der Birkenbihl-Methode sowie den Kreativtechniken und Denktools von Vera F. Birkenbihl. Seit 2014 arbeitet sie als selbstständige Online & Performance Marketerin: www.leitner-marketing.at

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