• drei mal wiederholen zum sprachenlernen
Wiederholungen beim Sprachenlernen sind wichtig. Wieso mindestens 3 Wiederholungen ein Muss sind, erfahren Sie heute.

Nach 20 Minuten vergessen wir 40% des Gelernten; nach einer Stunde bereits die Hälfte; nach einem Tag mehr als 70%.

Diese Zahlen stammen von Hermann Ebbinghaus (1859 – 1909). Bei einem Experiment lernte er Listen mit ca. 15 frei erfundenen Silben (z.B. NAK, DIB, DAF). Zu verschiedenen Zeitpunkten danach wurde gemessen, wie viele Silben Ebbinghaus noch wiedergeben konnte.

Vergessenskurve nach Ebbinghaus

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Vergessenskurve#/media/File:Vergessenskurve.png

Der stärkste Abfall des Vergessens findet in den ersten Stunden statt. In den darauffolgenden Tagen tritt nur noch ein geringer Verlust auf.

Beim Versuch das Vergessen zu mildern, ist Ebbinghaus auf Faktoren gestoßen, welche die Kurve beeinflussen können: Vorwissen, Talent, Interessen, Lernkontext, emotionale Faktoren. Die neuronale Geschwindigkeit, also das Tempo wie schnell Ihr Gehirn Synapsen (Verbindungen) aufbaut, ist individuell unterschiedlich. Davon abhängig ist die Notwendigkeit der Wiederholungen. „Neuronal Langsame“, wie Vera F. Birkenbihl sie nennt, müssen öfter wiederholen, Verstandenes bleibt aber länger erhalten.

Individuelle Anpassung für „Neuronal Schnellere“ und „Neuronal Langsamere“:
Versuchen zuerst den Durchschnitt, also 3 Wiederholungen über einen Zeitraum von etwa 2 Wochen. In dieser Zeit merken Sie selbst, ob diese Anzahl an Wiederholungen ausreichend war oder ob sie doch 4 oder 5 Mal wiederholen sollten. Die Studie von Ebbinghaus stellt den Durchschnitt der Menschen dar – d.h. also, dass das Modell für Sie gegebenenfalls angepasst werden sollte.

Jedoch haben diese Faktoren nur einen geringen Einfluss auf die Kurve. Die einzige Lösung um das Vergessen zu verringern war bereits den Lateinern bekannt:

“Repititio est mater studiorum” (Die Wiederholung ist die Mutter des Studierens).

 

Wiederholen Sie alles mindestens 3 mal!

vergessenskurve ebbinghaus wiederholungen

Quelle: https://www.bs-infosys.com/voctra/Hintergrund.html

Der Inhalt wird zum ersten Mal gelernt. Danach lassen sie ihn „ruhen“ und nehmen dadurch bewusst in Kauf, dass Einiges verloren geht.
Am nächsten Tag führen Sie die 1. Wiederholung durch und bringt Ihren Wissensstand wieder auf 100%. Bei den Inhalten, die Sie gewusst haben, ist der Abfall der Vergessenskurve nicht mehr so steil wie nach dem ersten Lernen. Sie können also einen längeren Zeitraum verstreichen lassen, ehe Sie wieder mit einer weiteren Wiederholung die verlorenen Inhalte einfangen. Je öfter Sie (speziell am Anfang) wiederholen, desto schneller gelangt das Erlernte in das Langzeitgedächtnis.

Fazit: Wiederholen Sie alles (jede Lektion, jede De-Kodierung…) mindestens 3 Mal, um den Großteil im Langzeitgedächtnis abzuspeichern.

 

Der Spacing Effekt – Lernen in Etappen ist besser!

Ein weiteres Resultat Hermann Ebbinghaus’ Experiment ist der „Spacing-Effect“. Dieser besagt, dass Lernen erfolgreicher ist, wenn es über einen größeren Zeitraum verteilt wird. Das heißt, mehrmals täglich 10 Minuten lernen bringt Sie schneller voran als ein Mal täglich eine Stunde am Stück. Zudem belegen Ebbinghaus’ Studien den langzeitigen Erfolg von kumulativen Schlussexamen. Durch die Prüfung eines großen Fachbereichs wird man dazu gezwungen, das Lernen in mehrere Schritte einzuteilen anstatt alles auf einmal zu lernen. Das fördert die Bewahrung des Gelernten im Langzeitgedächtnis.

Das liegt unter anderem daran, dass unser Gehirn nach jeder Aufnahmephase zirka 7 Minuten unterbewusst „weiterlernt“, also Informationen weiterhin bearbeitet, auch wenn Sie es nicht merken. Teilen Sie das Lernen also in kurze Einheiten ein und verdoppeln Sie damit Ihre Lernzeit (10 Minuten bewusstes Lernen + 7 Minuten unbewusstes Lernen = 17 Minuten Lernzeit). Mehr zu den 10-Minuten-Einheiten gibt’s hier.

Fazit: Lernen Sie in 10-Minuten-Einheiten. Diese kurzen Lerneinheiten sind gehirn-gerecht und befördern Gelerntes schneller ins Langzeitgedächtnis.

 

Wie kombiniere ich das Wiederholen mit den 10-Minuten-Lerneinheiten?
Mach ich die 10-Minuten-Übungen so, dass ich mir Tagespläne anlege? Also z.B.:
Heute: 3 mal 10 Min. Lektion 1/2/3? Und morgen wieder? Oder mache ich nur 3 mal 10 Minuten der Lektion 1 und morgen einmal Lektion 1 und dann Lektion 2 usw..?

Diese Fragen haben wir in einem Blogbeitrag beantwortet. Lesen Sie dazu folgenden Beitrag:
http://blog.birkenbihl-sprachen.com/2016/05/5-uebungen-sprachenlern-wochenplan/

Hermann Ebbinghaus hat seine Studien im 1885 veröffentlichten Buch „Über das Gedächtnis. Untersuchungen zur experimentellen Psychologie“ (Memory: A Contribution to Experimental Psychology) zusammengefasst.

 

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Über den Autor

Content Managerin und Bloggerin Katharina Leitner beschäftigt sich seit 2011 intensiv mit der Birkenbihl-Methode sowie den Kreativtechniken und Denktools von Vera F. Birkenbihl. Seit 2014 arbeitet sie als selbstständige Online & Performance Marketerin: www.leitner-marketing.at

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