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Wenn Lernen intuitives Verhalten hervorrufen kann, ohne dass man sich über das Regelwerk dahinter bewusst ist, welche Konsequenzen hat das für das Bildungssystem?

Ein Weg um Fähigkeiten zu erlernen ist das bewusste Erlernen der Schritte, um diese Fähigkeit ausführen zu können (=explizites Lernen). Mit der Zeit wird der schrittweise Prozess automatisiert. Traditioneller Unterricht zielt darauf ab so viel explizites Wissen wie möglich anzuhäufen. Das Resultat des Lernens soll es sein, dieses Wissen irgendwann zu automatischen Fähigkeiten umzuwandeln (= implizit). Leider schaffen wir es nur selten, explizites Wissen zu behalten, zu verinnerlichen und so zu dauerhaften Fähigkeiten zu machen. Warum? Explizites Wissen in implizites Wissen und automatische Prozesse umzuwandeln benötigt viel Zeit und Mühen. Im Gegensatz zu traditionellen Lernmethoden findet implizites Lernen von Beginn an unbewusst statt.

Eine explizite Herangehensweise um Fähigkeiten zu erlangen ist also nicht immer das Gelbe vom Ei. Außerdem wird die Frage aufgeworfen, ob explizites Wissen generell überhaupt notwendig ist[1].

Bedenken Sie folgende Situationen: Von einem Fußballspieler erwarten wir ein gutes Spiel. Dabei ist es uns generell egal warum er so gut spielt. Ein Kind weiß meist wie man Fußball spielt ohne die dahinterstehenden Regeln erklären zu können.

 

Explizites Sprachenlernen – auswendig lernen, pauken

Die Bedeutung von Wörtern bewusst zu erlernen erscheint auf den ersten Blick selbstverständlich. Mithilfe von Wörterbüchern und Übersetzungen ist das scheinbar einfach. Jedoch haben viele Wörter subtile Bedeutungen oder Mehrfachbedeutungen, die nicht mit einem Wort zu beschreiben sind und häufig nicht mal in Wörterbüchern zu finden sind.

Beispiel: Das englische Wort „cause“ scheint die simple Bedeutung von „bewirken“ zu haben. Was man eher subtil wahrnimmt ist, dass dieses Wort meist in einer negativen Weise verwendet wird. „Cause grief“ (Kummer bewirken) wird häufig verwendet. Hingegen hört man selten „Cause happiness“ (Freude bewirken).

Grammatikregeln von der ersten (Lern)-Stunde an zu büffeln überfordert einen Großteil der Lernenden (sogar mehr als 97% der Lernenden!). Sie möchten viel eher beginnen die Sprache zu verstehen und selbst sprechen zu können anstatt Regeln zu lernen, die ihnen die Freude auf die Sprache vermiesen.

Frustration, Langeweile und Demotivation müssen aber nicht sein! Denn eine Fremdsprache kann sehr wohl implizit erlernt werden.

 

Implizites Sprachenlernen – intuitiv, nebenbei

Implizites Lernen ist das unbewusste Aneignen von Wissen und Fähigkeiten. Das bedeutet also, dass Sie Regeln einer Sprache, die Grammatik und der Einsatz von Wörtern unbewusst gelernt wird.

Rebuschat and Williams[2] haben die Wirksamkeit dieser Herangehensweise mit einer Studie bewiesen. Lernenden (mit der Muttersprache Englisch, die Deutsch lernen möchten) wurden Sätze gezeigt, welche zwar aus englischen Wörtern bestanden, aber in der Grammatik und dem Satzbau die deutsche Sprache wiederspiegelten. Zum Beispiel: „Since his parents groceries needed, purchased David everything necessary“. Auf diese Weise waren die Sätze für die Probanden verständlich, auch wenn sie lustig klangen. Bei einem weiteren Test haben die Wissenschaftler festgestellt, dass die Probanden die deutsche Satzstellung verinnerlichten. Sie konnten zwar keine Regeln beschreiben, hatten jedoch ein Gefühl für die Grammatik. Das bedeutet, dass Grammatik unbewusst lernbar ist – ganz ohne langweiligem Pauken!

Das wird durch die Birkenbihl-Methode zu 100% umgesetzt:

Since his parents groceries needed, purchased David everything necessary“
(Da seine Eltern Lebensmittel brauchten, kaufte David alles Nötige).

 

 

Zuerst implizit, dann – vielleicht – explizit

Stimulus           →        Gefühle / Reaktion (implizit)          →        Denken  (explizit)

Studien zeigen, dass sich implizites Lernen zu Beginn des Lernprozesses positiv auswirkt. Die dadurch angeeignete Intuition kann zu einem späteren Zeitpunkt mit explizitem Wissen erklärt werden.

Für das Sprachenlernen bedeutet das: Kein Vokabeln-büffeln, Grammatik muss nicht auswendig gelernt werden. Mit der Zeit entwickeln Sie ein Gefühl für die Sprache. Regeln (Grammatik etc.) können gegebenenfalls danach erlernt werden – kann man machen, muss man aber nicht.

Lerntipp: Beim Lernen einer Zweitsprache ist es wichtig, im Kontext zu lernen. Das heißt, lernen Sie Bedeutungen von Wörtern nicht losgelöst, ohne Zusammenhang (z.B. Hund – dog), sondern immer im ganzen Satz. Hören Sie die Sätze immer wieder an. Nur so „saugen“ Sie alle Aspekte der Sprache auf – auch jene, die Sie nicht in Grammatikbüchern/Wörterbüchern finden oder nicht bewusst wahrnehmen.

Eine Sprachlernmethode, die das implizite Lernen als Grundstein nutzt, ist die Birkenbihl-Methode. Linguajet bietet Computer-/Online-/App-Sprachkurse an, die auf dieser gehirn-gerechten Methode basieren.

 


[1] Jacoby, L. L., Woloshyn, V. & Kelley, C. M. (1989). Becoming famous without being recognized: Unconscious influences of memory produced by dividing attention. Journal of Experimental Psychology: General, 118, 115-125.

[2] Rebuschat, P. & Williams, J. N. (2012). Implicit and explicit knowledge in second language acquisition. Studies in Second Language Acquisition, 33, 829–856.

 

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Über den Autor

Content Managerin und Bloggerin Katharina Leitner beschäftigt sich seit 2011 intensiv mit der Birkenbihl-Methode sowie den Kreativtechniken und Denktools von Vera F. Birkenbihl. Seit 2014 arbeitet sie als selbstständige Online & Performance Marketerin: www.leitner-marketing.at

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