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Wussten Sie, dass „Genies“ wie Wolfgang Amadeus Mozart oder Johann Wolfgang von Goethe nicht zur Schule gegangen sind?

Homeschooling: Wenn Kinder zu Hause unterrichtet werden

Homeschooling ist der internationale Ausdruck für eine Form der Bildung und Erziehung, bei der die Kinder zu Hause von den Eltern oder PrivatlehrerInnen statt in Schulen unterrichtet werden. Die konkrete Praxis des Hausunterrichts kann sehr unterschiedlich aussehen.

„Das Gefühl frei zu lernen ist viel schöner als unter Zwang. Ich hasse es gezwungen zu werden etwas zu lernen!“ Moritz Neubauer

„Zuhause lernt man den ganzen Tag – und man merkt es gar nicht!“ Thomas Neubauer

Die Brüder Neubauer haben sich in der öffentlichen Schule unwohl gefühlt. Es ging ihnen psychisch so schlecht, dass die Eltern 2006 (1. und 2. Schulstufe) beschlossen, sie aus der Schule zu nehmen und zu Hause zu unterrichten. In Deutschland gilt jedoch bis heute die Schulpflicht. Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern besteht also zwingender Schulbesuch, denn „das vorrangige Ziel des staatlichen Bildungsmonopols ist es, sicherzustellen, dass alle Kinder unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Glauben Zugang zu Bildung erhalten und dass dem Nachwuchs neben bestimmten Bildungsstandards auch wichtige soziale und demokratische Werte vermittelt werden“[1]. Familie Neubauer ging vor Gericht, musste 2008 jedoch ins „sichere Ausland“ flüchten, da der Sorgerechtsentzug drohte.   In Österreich und der Schweiz gilt die Bildungspflicht, aber keine Schulpflicht.

In Österreich wird Homeschooling „Häuslicher Unterricht“ genannt. Doch ganz ohne „Zwang“ geht es auch hier nicht: Am Ende des Jahres müssen die Kinder an einer Schule mit Öffentlichkeitsrecht eine Externistenprüfung ablegen. Wird diese nicht bestanden, müssen die Kinder im nächsten Jahr die Schulstufe in einer öffentlichen Schule wiederholen.

2,2 Millionen Kinder und Jugendliche wurden 2014 in den USA zu Hause unterrichtet. Brian D. Ray, Ph.D.[2] bewies durch eine Studie, dass Homeschooling-SchülerInnen bei Tests bis zu 25% besser abschnitten als jene, die öffentliche Schulen besuchten. In der selben Studie zeigte man auf, dass Homeschooling – entgegen der Vorurteile – die soziale, emotionale und psychische Entwicklung überdurchschnittlich fordert (anstatt zu verhindern). Geprüft wurden Gruppeninteraktionen, Führungsfähigkeiten, Familiensinn, Teilnahme am öffentlichen Leben, Selbstwahrnehmung und Selbstwertgefühl. Statistiken und akademische Studien zu Homeschooling im deutschsprachigen Raum konnte ich leider keine finden. So populär wie in den Vereinigten Staaten ist es hierzulande noch nicht, jedoch steigen die Zahlen an häuslich unterrichteten SchülerInnen laut Angaben der Vereinigungen (z.B. Freilerner.at, homeschoolerinaustria.at) jährlich.  

 

Ist Homeschooling wirklich eine Alternative?

Ob Homeschooling für Ihre Kinder eine Alternative zur Standardwahl ist, muss je nach Gegebenheiten und Einstellungen natürlich selbst und gut überlegt sein. Ich bin der Meinung, dass es eine sehr gute Entscheidung sein kann, jedoch ist sie nicht für jedermann geeignet, denn es bedarf vor allem an viel Zeit (zu Hause) der Eltern.   Eine Zusammenfassung der Für und Wider nach Michael Wenkart[3]:

Die Vorteile von Homeschooling

  • Kontrolle über das WAS, WIE und WANN
  • 1 zu 1 Unterricht ist möglich; und so das individuelle Eingehen auf den Schüler/die Schülerin
  • Talente sowie Schwächen gezielt unterstützen
  • Unterrichtsplan an den Familienalltag anpassen
  • Unterricht durch zahlreiche praktische Erfahrungen und Expeditionen ergänzen
  • Stärkung der Eltern-Kind-Beziehung
  • Negative Einflüsse anderer (Mitschüler, Bildungssystem, Gesellschaft) abwenden
  • Ein positives Lernumfeld schaffen

Die Nachteile von Homeschooling

  • Finanzielle Belastung: Ein Vollzeitjob der Eltern ist meist nicht möglich
  • Änderung des Lebensstils und des Familienlebens
  • De-Sozialisierung kann eintreffen, wenn nicht durch z.B. Teilnahme an Vereinen und Veranstaltungen gesorgt wird

Eine Alternative zu Standard-Schulen können auch Alternative Schulen, wie die Waldorf Schule oder Das Wiener LernZentrum, ein privates Oberstufenrealgymnasium, sein. Jack AndrakaAls aktuelles Beispiel für den Erfolg des selbstbestimmten Lernens ist der Amerikaner Jack Andraka. Der 15-Jährige hatte eine Idee, recherchierte im Internet und schrieb einen Forschungsplan für die Entwicklung eines Krebs-Früherkennungstests. Das Ergebnis: ein Test, der 5 Minuten dauert, 90 Prozent zuverlässiger ist als bestehende Verfahren und nur ein paar Cent kostet. Mehr zu Jacks Geschichte lesen Sie hier.

Unschooling: Schul- und Unterrichtsfrei!

Wikipedia bezeichnet Unschooling als:

„ein vom Kind geleitetes Lernen im „normalen“ Wohn- und Lebensumfeld, im Unterschied zur klassischen Form des Hausunterrichts ohne den Versuch, die traditionelle Schule und ihre Lehrpläne zu Hause nachzuahmen.“

Unschooling ist in Österreich oder Deutschland nicht möglich, denn es besteht Bildungs- oder sogar die Schulpflicht. Doch in Frankreich gibt es keine Bildungspflicht. Wussten Sie, dass 98% der Menschen als hochbegabt zur Welt kommen? Wussten Sie auch, dass nach der Schule nur noch 2% hochbegabt sind?[4] André Stern gibt die Schuld ganz klar dem Schulsystem. Er ist – gemeinsam mit einer wachsenden Bewegung – der Meinung, dass Kinder eigentlich keine Schule brauchen.

„Die Gehirnforschung hat bewiesen, dass es zum Lernen nichts besseres gibt als das Spielen. Ich frage mich nun: Warum ist es keinem eingefallen es zu probieren – ein Kind sein ganzes Leben lang nur spielen zu lassen?“

Ein Einblick in Andrés Leben ohne Schule: http://youtu.be/Kgn9LWQqkj0

André Stern, 1971 in Paris geboren, Sohn von Arno Sterns, ist verheiratet und Vater eines kleinen Sohnes. Er ist Protagonist des Films „Alphabet“, indem er seine Erfahrungen mit Unschooling schilderte. André Stern ist Franzose und ging nie zur Schule. Er wurde auch nicht zu Hause unterrichtet. Nach eigenen Angaben ist er das ewige Kind, dass sein Leben lang durch Spielen gelernt hat. Er selbst hat bestimmt was er lernt, wann, wie viel, wie lange etc. André ist heute 45 Jahre alt und vom Beruf Instrumentenbauer, Musiker, Journalist und Autor. Auch seinen Sohn erzieht er nach seinem Bildungsvorstellungen des freien Lernens. Wann immer ihn etwas interessierte hat er nachgeschlagen, jemanden danach gefragt oder es einfach selbst erforscht. Zum Gitarrenbauen ist er gekommen als er in einem Film einen Geigenbauer sah. Mit 18 Jahren wurde er auf die Fremdsprache Deutsch aufmerksam und fragte seine Eltern wie er die Sprache denn lernen könnte. Das war die erste von 4 Fremdsprachen die er mithilfe der Birkenbihl-Methode erlernte. Deutsch spricht er heute fließend.

 

Von vielen Seiten erfuhr André Kritik:

Kinder wie du es warst fühlen sich doch ausgeschlossen aus der Gesellschaft!
Das kann André nur verneinen. „Die Gesellschaft hat Vorurteile, doch niemand weiß (aus erster Hand) wie es anders sein würde. Ich hatte kein Interesse daran in das System Schule reinzuschnuppern, denn ich war ein sehr zufriedenes Kind. Außerdem hätte ich gar keine Zeit dafür gehabt – ich war sehr beschäftigt. […] Woher kommt es eigentlich, dass wir denken Kinder würden den Kontakt zu Gleichaltrigen suchen? Kindern ist es egal, Hauptsache sie haben Kontakt zu Menschen“ Das Kinder, die nicht in die Schule gehen, oftmals einen höheren EQ (Emotionale Intelligenz) haben, bewies Brian D. Ray, Ph.D.[5] in seiner Studie.

Kindern, die nicht in die Schule gehen, fehlt die Strukur! André hatte sehr viel Struktur.
„Es gab familiäre Strukturen – wann man zu Mittag isst, wann es Zeit ist ins Bett zu gehen – und es gibt sehr viele gesellschaftliche Strukturen – am Montag um 15 Uhr beginnt der Tontöpfer-Kurs etc. Meine Eltern lagen viel Wert auf Struktur“.

 

Generell unterstütze ich die Meinung, dass Kinder zum Lernen keine Schule benötigen. Immerhin lernen wir das gehen selbst, eignen uns Mimik und Gestik selbst an und lernen unsere Muttersprache ganz einfach und intuitiv. Doch diese Entscheidung sollte von den Erziehungsberechtigten gut überlegt sein, denn sie bringt in der „Leistungs-Welt“ auch (vor allem gesellschaftliche) Nachteile mit sich.

Ich bin sehr gespannt, wie sich das Bildungssystem und unsere Ansichten in den nächsten Jahrzehnten verändern. Was haben Sie für Vorstellungen bzw. was halten Sie von Homeschooling und Unschooling?

 

Literaturemfpehlung und Links:

andré sternAndré Stern: “… Und ich war nie in der Schule“
[1] Homeschooling: Wenn Eltern ihre Kinder zu Hause unterrichten. 06.11.2013, Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de [2] RESEARCH FACTS ON HOMESCHOOLING. 06.01.2015, Brian D. Ray, Ph.D., http://www.nheri.org/ [3] Homeschooling: Useful alternative or damaging deviation? 2014, Michael Wenkart [4] TM Wissen: http://youtu.be/Kgn9LWQqkj0 [5] RESEARCH FACTS ON HOMESCHOOLING. 06.01.2015, Brian D. Ray, Ph.D., http://www.nheri.org/

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Über den Autor

Content Managerin und Bloggerin Katharina Leitner beschäftigt sich seit 2011 intensiv mit der Birkenbihl-Methode sowie den Kreativtechniken und Denktools von Vera F. Birkenbihl. Seit 2014 arbeitet sie als selbstständige Online & Performance Marketerin: www.leitner-marketing.at

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