Erfahrungsbericht über die Birkenbihl-Methode von Evelyne LaubnerDies ist ein Gastartikel von Evelyne Lauber. Sie beschäftigt sich mit therapeutischer Sprachbehandlung. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Kinder und Jugendliche mit zwei- oder mehrsprachigem Hintergrund und mangelhaften Deutschkenntnissen. Sprach-Atelier: www.sprachelauber.ch

Die Birkenbihl-Methode: Französisch2 und Englisch2 für Fortgeschrittene

 

Die Leier mit der veralteten Lern- und Schulmethode

1999 holte ich, 46 Jahre jung und weiblich, die berufsbegleitende Matura (Phil I) nach und hatte neben Deutsch, Englisch, Französisch und Geschichte auch das große Latinum zu lernen. Letzteres bereitete mir im letzten Jahr erhebliche Schwierigkeiten und „fraß“ viel Lernzeit weg. Für Deutsch und Geschichte brauchte ich auch viel Zeit, weil ich diese Fächer liebte und ausufernd viel las und bearbeitete.

Nun waren Französisch (8 J.) und Englisch (6 J.) Fächer, die mir lagen, die ich aber in meiner Schulzeit nur mit Wörterlernen und Grammatik büffeln verband und die ich, da jahrelang im Ausland, zwar sprechen konnte, aber mit vielen Fehlern. Und warum? Weil ich viel zu lange brauchte, um mich an alle Regeln der Schulzeit zu erinnern und deshalb extrem nervös wurde.

Zudem waren meine Arbeitskollegen und –kolleginnen meist Ausländer mit schwachen Kenntnissen der lokalen Sprache (selten FranzösInnen oder EngländerInnen). Viele übersetzten mit Händen und Füßen ihre Muttersprache direkt in die Fremdsprache, was ein fürchterliches Durcheinander ergab und teils auch zu Missverständnissen und Unmut führte. Besonders dann, wenn man von der Schule her so gedrillt war, die Sprache verkrampft aber perfekt zu sprechen. Und dies obwohl sie in der Umgangs- und Geschäftssprache gar nicht so gesprochen wurde. So war ich immer etwas irritiert und sprach bald eine Art von Pidgin in beiden Sprachen.

 

Aufbruchsstimmung: Es muss sich etwas ändern!

Diese Situation sollte sich ändern, da ich den Weg zur „Berufsbegleitenden Matura“ einschlug; mit dem Ziel, endlich wieder gepflegter zu sprechen. Auch hatte sich mein Berufsfeld geändert und ich war von AkademikerInnen und weitgereisten Kaufleuten umgeben. Aber auch unter den AkademikerInnen in der Forschung und bei den Kaufleuten waren Aussprache und Wortwahl nicht besonders gut und ihre wichtigen Arbeiten landeten natürlich im Übersetzungsbüro.

Für die Matura reichte meine Sprecherfahrung anfangs in beiden Sprachen nicht aus: zu viel war verwaschen und fehlerhaft, obwohl ich überdurchschnittlich viel verstand. Die Grammatik war leicht wieder zu lernen, außer dass ich mit Entsetzen feststellen musste, dass die alten Blockaden mit Angst besetzt waren und ich dabei wieder in Verwirrung geriet, obwohl ich die Regeln diesmal besser verstanden hatte. Zudem verbot ich mir das Sprechen, denn ich wollte nicht die alten Fehler wiederholen, die sich jahrzehntelang eingeschlichen hatten. Schlussendlich fand ich einen Weg über englische Hörspiele, welche ich mitlas, was mich einigermaßen befriedigte. Dennoch half das nicht weiter, wenn ich eigene Sätze formulieren sollte!

 

Meine Lösung: Die Birkenbihl-Methode

icon_mp3_largeIm Internet fand ich im Maturajahr die Birkenbihl-Methode (eigentlich hatte ich nach der Gedächtnismethode nach Schaub gesucht) und bestellte in meiner Not Französisch2 und Englisch2, denn die Verheißung 60% Zeit zu sparen, die Grammatikregeln vergessen zu dürfen und sie dennoch zu können, erschien mir ein passabler Weg, mein Dilemma zu lösen. Ich befasste mich mit beiden Sprachen gleichzeitig und ließ mal die eine, mal die andere CD laufen, bevor ich ans Lernen für die Schule ging. Als ich alles begriffen hatte und freier zuhören konnte, amüsierten mich die gesprochenen Dialoge und ich bügelte dazu, putzte, wusch ab, fuhr einkaufen, ohne mich weiter zu sorgen, denn … ich musste mich nun endlich ums Lateinlernen kümmern, welches ich, da ich sehr gut Italienisch konnte, völlig unterschätzt hatte.

 

icon_audio_largeDurch die Birkenbihl-Methode entspannt, konzentrierte ich mich speziell auf die alte Sprache und auf die Bücher, die bis zur Matura gelesen sein mussten. Ich war mir schon so sicher, jetzt besser Englisch und Französisch zu reden, dass ich eigentlich nur noch Bücher las, mir mündlich die möglichen Fragen überlegte und darauf vertraute, dass ich es schaffen werde. Ich nehme an, dass für mich die Birkenbihl-Methode zwar nicht das anfängliche Lernen und Lesen des Schulstoffes ersetzte, sondern dass sich eine selbstbewusstere, entspannte Herangehensweise durch die gehirngerechten Sprachbänder entwickelt hatte, welche mir den Stress wegzauberte. Jedenfalls schnitt ich besser ab als erwartet!

 

Ich empfehle die Birkenbihl-Methode jederzeit weiter

Danach habe ich Sprachgestaltung und Sprachtherapie als weitere Berufsausbildung gewählt. Nun habe ich ein privates Sprach-Atelier und behandle meist bi-linguale Kinder und Jugendliche. Nachdem ich einige Jahre Erfahrungen gesammelt habe und feststellen muss, dass auch sie verkrampft lernen, werde ich die Methode an sie weitergeben.

Von Frau Evelyne Lauber

 

 
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