• Sprache schafft Kreativität
Ganz genau, und nicht nur das, sondern Kreativität schafft auch Sprache!

In der Linguistik wird Kreativität definiert als:

„Fähigkeit, von endlichen sprachlichen Mitteln einen unendlichen Gebrauch zu machen.“

An manch tristen Tagen mag man das bezweifeln, doch in sonnigen Stunden sprudelt es nur so aus einem/einer heraus: Sprache ist eine unerschöpfliche Quelle der Kreativität! Wörter lassen sich neu erfinden, kombinieren und gegenüberstellen – Sprache schafft also Kreativität und Kreativität schafft Sprache.

 

Redewendungen

Im Deutschen schlägt man hin und wieder zwei Fliegen mit einer Klappe; in Spanien hingegen erlegt man lieber zwei Vögel mit einem Schuss. Obwohl verschiedene Sprachen Parallelen aufweisen können, gleicht keine Sprache einer anderen exakt. Verschiedene Sprachen benutzen unterschiedliche Bilder und Metaphern. Diese Bilder können wiederum zu neuen Ideen führen.

 

Wortüberschneidungen

Eine weitere interessante Tatsache ist, dass manche Sprachen mehrere Bezeichnungen für ein Ding oder eine Tätigkeit haben (Wortdopplung), während andere Sprachen das Zusammenfassen von Bezeichnungen (Wortüberschneidungen) bevorzugen. Im Tahitianischen existiert beispielsweise nur eine Bezeichnung für Pfeifen und Begehren. Ein anderes Beispiel ist der Trend, im Deutschen etwas Ansehnliches „schön“ zu nennen und andere Adjektive, wie „bezaubernd“, „prachtvoll“, „fabelhaft“, „ästhetisch“ oder „atemberaubend“, immer seltener in den Mund zu nehmen. Im Gegensatz dazu verwenden SpanierInnen sehr viele Adjektive, um ihre Welt zu beschreiben.

 

Kofferwörter

Kofferwörter, oder Schachtelwörter, sind neu erfundene Wörter, die ursprünglich aus zwei oder mehr einzelnen Wörtern stammen. So ergeben sich Kunstwörter wie Motel (Motor + Hotel), Advertorial (engl. advertisement + editorial), Bollywood (Bombay + Hollywood), Smog (engl. smoke + fog), Brunch (engl. breakfast + lunch) und viele weitere. Solche Kofferwörter werden täglich neu erfunden – manche erfahren weltweite Anerkennung, andere werden nur regional oder demografisch begrenzt in den Sprachgebrauch eingebunden.

 

Denglish und Co. – wenn Sprachen kollidieren

„Denglish“ (by the way ein Kofferwort) beschreibt die Verwendung von englischen Nomen (zum Beispiel „Kleine Snackbox für Kids“), aber auch Verben und Adjektiven in der deutschen Sprache. Oft werden Verben und Adjektive mit einem Suffix oder Präfix eingedeutscht: Ich habe meine Reise gecancelt. Deine Hose ist wirklich trendig. Ich habe die Software downgeloaded.

Zudem wird teilweise auch englische Grammatik eingedeutscht: so wird aus dem eigentlich korrekten Namen „Karls Imbiss“ immer öfter „Karl’s Imbiss“, oder aus der „Dr.-Heinrich-Kappel-Straße“ eher die „Dr Heinrich Kappel Straße.“

Jedoch nicht nur Deutschsprachige benutzen englische Wörter, sondern auch umgekehrt. So benutzt der deutsche Autohersteller Audi beispielsweise auch in englischsprachigen Märkten den deutschen Slogan „Vorsprung durch Technik.“

 

„Es gibt auch keine Grenze hinsichtlich der ‘Kreativität‘ der Sprache: In jeder kommunikativen Sprachhandlung können neue Zeichen gebildet werden, um damit neue Sachverhalte, Empfindungen, Gedanken mitzuteilen.“

Helmut Henne, Helmut Rehbock: „Sprachzeichenkonstitution.“ In: Hans Peter Althaus, Helmut Henne, Herbert Ernst Wiegand (Hrsg.): Lexikon der germanistischen Linguistik. Niemeyer, Tübingen 1980, S. 151-159, Zitat: Seite 152.

 

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Über den Autor

Content Managerin und Bloggerin Katharina Leitner beschäftigt sich seit 2011 intensiv mit der Birkenbihl-Methode sowie den Kreativtechniken und Denktools von Vera F. Birkenbihl. Seit 2014 arbeitet sie als selbstständige Online & Performance Marketerin: www.leitner-marketing.at

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