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Sind Sie etwa neugierig? Ein Verbot macht Kinder als auch Erwachsene eindeutig neugierig. Deshalb ist etwa das heimliche Naschen oder Fernsehen als Kind so spannend. Ein weiterer Grund, warum viele LeserInnen diesen Artikel anklicken, ist, dass die Verneinung im Titel „übersehen“ wird.

Denken Sie nicht an eine frische Zitrone! An was denken Sie jetzt? Etwa an eine Zitrone?

 

Unser Gehirn kann NICHT-Anweisungen NICHT verarbeiten

Das menschliche Gehirn ist auf das „Ja“ programmiert. Negationen können vom menschlichen Gehirn nur über Umwege verarbeitet werden. Negationen sind Verneinungen, es geht also beispielsweise um die Wörter „nicht“ und „kein“.

Bilder, die in unserem Kopf entstehen, sind immer positiv. Deshalb hatten Sie soeben ein Bild von einer frischen Zitrone vor Augen. Ein negatives Bild kann im Kopf nicht entstehen, außer man streicht das positive Bild „mit einem Rotstift“ durch. Erst jetzt wissen wir, dass ein „nicht“, also eine Verneinung, gemeint ist.

Das weitbekannte Spiel „Stille Post“ spiegelt diese Reaktion wider. „Der Hahn ist nicht tot“ wird vom ersten Spieler an den nächsten weitergegeben. Schon beim 3. bis 5. Mitspieler wird sich dieser Satz in „Der Hahn ist tot“ ändern. Probieren Sie es selbst aus!
Ein ausführliches Beispiel, wie eine hochkarätige Teilnehmergruppe damit umgehen lernt, finden Sie auf der Seminar-DVD „Gehirn-gerecht Trainieren“ von Vera F. Birkenbihl: Zum Seminar

 

Verneinungen verwirren unser Gehirn

Unser Gehirn braucht beim Verarbeiten länger, wenn im Satz eine Negation vorkommt. Zu diesem Schluss kommen Psychologen der Tufts University[1], die durch Elektroenzephalographie untersucht haben, wie verneinte Aussagen im Gehirn verarbeitet werden. Sie setzten ihren Testpersonen Elektroden auf die Kopfhaut und ließen sie verschiedene verneinte Sätze lesen.

Unser Gehirn besteht aus zwei Hälften. Bei Rechtshändern ist die linke Gehirnhälfte für die Logik und die Linearität verantwortlich. Sie verarbeitet Sachinformationen. Mit der rechten Gehirnhälfte verarbeiten wir Bilder, Emotionen und Erlebnisse. Wenn Sie die Aufforderung hören: „Denken Sie nicht an einen frischgepressten Orangensaft!“, kommt links die Botschaft logisch richtig an, doch mit der rechten Gehirnhälfte sehen und erleben Sie im selben Moment den Orangensaft. Die rechte Gehirnhälfte versteht also keine Negationen. Verneinungen sind folglich Doppelbotschaften: Links kommt etwas anderes an als rechts. Mit Negationen stiften Sie also Verwirrung im Gehirn, haben die Forscher der Tufts University festgestellt.

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Was haben wir von dieser Erkenntnis?

Versuchen Sie, künftig Ihre Aussagen positiv darzustellen! Sie werden überrascht sein, wie einfach und erfolgreich Ihre Botschaften sein können und wie Ihre Umwelt plötzlich positiv darauf reagiert. Sie werden wesentlich weniger Kommunikations-Missverständnisse erleben und mehr Freude am Umgang mit anderen Menschen haben!

Hier einige Beispiele, wählen Sie Ihren Favoriten aus:

  1. NICHT-Formulierung: Lauf nicht auf die Straße!
    Gehirn-gerecht: Stopp! Bleib stehen!
  2. NICHT-Formulierung: Ein Biss in die saure Zitrone schadet nicht! Sie werden daran nicht sterben!
    Gehirn-gerecht: Beißen Sie ruhig in eine Zitrone! Der starke Säuregeschmack regt Ihre Aufmerksamkeit und Konzentration an und Sie werden aktiv „er“-leben!
  3. NICHT-Formulierung: Diesen Kunden dürfen wir auf keinen Fall verlieren!
    Gehirn-gerecht: Dieser Kunde ist wichtig für uns. Bitte erstellen Sie ein Konzept, das es für den Kunden attraktiv macht, eine dauerhafte Partnerschaft mit uns einzugehen.
  4. NICHT-Formulierung: Bei den ersten drei Sätzen darf ich mich auf keinen Fall wieder verhaspeln.
    Gehirn-gerecht: Konzentration! Die ersten drei Sätze sind wichtig für die Präsentation und werden mir diesmal sicherlich gelingen.

 

Für den Alltagsgebrauch wird empfohlen, Aussagen positiv zu formulieren. Eine Verneinung macht den Satz komplizierter. Wenn man etwa sagt, dass etwas „nicht schadet“, so trägt das zur Verwirrung des Zuhörers bei.
Ähnliche Themen werden in Kürze hier diskutiert: brain-friendly



[1]Nieuwland MS and Kuperberg GR. 2008. When the truth is not too hard to handle: an event-related potential study on the pragmatics of negation.

 

 

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Über den Autor

Content Managerin und Bloggerin Katharina Leitner beschäftigt sich seit 2011 intensiv mit der Birkenbihl-Methode sowie den Kreativtechniken und Denktools von Vera F. Birkenbihl. Seit 2014 arbeitet sie als selbstständige Online & Performance Marketerin: www.leitner-marketing.at

3 Kommentare

  • stefan

    „Unser Gehirn kann NICHT-Anweisungen NICHT verarbeiten“

    Ich halte diese Theorie für fragwürdig. Wenn ich zu jemandem sage: „Sieh nach unten!“ Wird er höchstwahrscheinlich Antworten „Wieso denn?“. Wenn ich dagegen sage: „Sieh nicht nach unten!“ Sieht er automatisch nach unten. Wäre die Aussage richtig, dass Neagtion nicht verarbeitet wird (oder nur schwer), würde er in beiden Fällen das gleiche tun, nämlich nach unten sehen.
    Ich denke, wenn ich eine Aussage negiere, fragt sich der Adressat „Warum, soll ich etwas nicht tun?“ Er denkt in erster Linie daran, dass ihm etwas entgehen könnte oder sich das Gegenüber einen Vorteil verschaffen will indem er ihn von etwas abhält. Das würde auch erklären, warum das Gehirn aktiver ist, da es ja versucht die Absichten des Gegenübers zu verstehen.

    • Alfred

      @ Stefan

      finde dein Beitrag ist eine interessante Sichtweise. Was mir aber aufgefallen ist, dass jeder (wenn er/sie zum Beispiel auf einer Leiter steht) nach dem Satz „sieh nicht nach unten“, im ersten Moment für einen ganz kurzen Augenblick nach unten sieht, bevor er/sie sich mit dem von dir schon angeschnittenen Warum beschäftigt.

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